‘Vulcan Black’ von Passalacqua

Heute möchte ich euch den köstlichen, sehr robustalastigen ‘Vulcan Black’ (30% Arabica/70% Robusta) von der renommierten napoletanischen Traditionsrösterei ‘Passalacqua’ vorstellen.

Die süditalienisch dunkel gerösteten Bohnen sind offensichtlich frisch, matt schimmernd und weisen keinerlei Spuren von Verbrennung auf. Sie duften angenehm nach Holunderholz, Mandel und fast erkaltetem Kamin – oder vielleicht auch Vulkanasche.

Im Mundgefühl überzeugt der schwarze Vulkan mit seiner geschmeidigen Samtigkeit.

Das Schmeckerleben, das dieser wuchtige Espresso zu bieten hat, ist sehr besonders und fernab von jeglicher Lieblichkeit. Süße wirste hier lange suchen – macht aber nichts!

Seine Schokoladigkeit erinnert mich an sprödaromigen, ernsten, soloinstrumentalen Forasterokakao, der bei der Ofentrocknung zwei Sekunden lang Rauch abbekommen hat. In London habe ich mal eine 100%ige dunkle Schokade von Montezuma’s probiert, die ‘Absolute Black’, welche das bisher Herbste und Schnörkelloseste war, was mir an purem Kakao in Tafelform begegnet ist. Davon hat der ‘Black Vulcan’ was. Seine Rauchigkeit ist dicht am Brandigen – aber dabei noch wirklich gut. Gerade so, dass der Gaumen nach leisen  Ansätzen von Alarmiertheit dann doch hingebungsvoll ‘okay’ hauchen kann zu dieser glimmenden, rigiden und letztlich als sicher empfundenen Herausforderung.

Die Belohnung besteht aus Mandelnoten, Holunderholz, einer winzigen, ungemein interessanten Spur von streng-würzigem Liebstöckel, etwas Assamtee, dunkel getoastetem Weißbrot, einem Hauch Muskat – und überaus beglückenden, ganz zarten, leicht überschmeckbaren Obertönen von Mandarinenschale. … Da winkt dann doch noch etwas Süße um die Ecke, ganz am Schluss und so zurückhaltend, dass ich ihr fast ein wenig Rückenstärkung wünschen würde, wenn nicht die Gesamtkomposition in ihrer Knarzigkeit so gewinnend wäre.

Frau Antje ist sehr angetan – empfiehlt diese Mischung jedoch ausschließlich fortgeschrittenen Liebhaber*innen von wirklich kräftigem, rauchigem Espresso alla Napoletana.

Tipp: Bei 94ºC bezogen statt bei 95ºC kommen die Schoko-Mandelnoten deutlich in den Vordergrund und das Rauchige tritt zurück.

Parameter für meine Bezüge:

14,1g Bohnen

Mühle: Titus – Mahlgrad kurz vor 60º, d.h. fein, aber nicht ultrafein

Siebträgermaschine: Strietman CT2 – 94,5ºC, 4 Sek aktive PI

2 1/2 Schluck out in 50 Sek.

 

“Vietnam Dark Revolution” von Röstkartell

(Ich hatte ihn schon im Dezember getestet, jetzt erst komme ich dazu, diesen Beitrag fertigzustellen)

Der “Vietnam Dark Revolution” von Röstkartell, bestehend aus 100% vietnamesischen Robusta-Bohnen, wurde ja nun in einschlägigen Kreisen schon oft gelobt – und ich stimme ab sofort mit ein!

Teufel nochmal, ist der lecker!

Balancierter Schmelz im Mund, edler Dunkelkakao, eine für reine Robustas typische, leichte Tanninigkeit, wunderbare, eher trockene Obertöne, die mich an Zedernholz in der Sommerhitze und an Pekannuss erinnern.

Ein verschwindendes Säure-Echo, gaaaanz weit weg und leise, das etwas von frischen Blütenpollen hat.

Mit einer relativ kurzen Präinfusion von 5 Sekunden entwickelt dieser 100% Robusta nochmal mehr Rundheit und Süße  …  Es lohnt sich hier wirklich, mit der Präinfusion zu spielen, was bei dunklen Röstungen nicht so häufig der Fall ist!

14g, Mahlgrad Apollo 7’4”, Siebträger: Strietman CT2,

95ºC,

PI 5 Sekunden,

2 1/2 Schluck out (ich dachte, es sind 3 – aber die Crema hat mich getäuscht).

Warm! warm! warm! im ganzen Körper …

Wow!

 

“Ocoa” von Blasercafé

Frau Antje ist lichterloh entflammt für einen Single Estate 100% Arabica aus der Dominikanischen Republik:

Den “Ocoa” von Blasercafé (ein überraschendes Geschenk von einem Freund).

250g der erlesenen Spezialität kosten … ähm, ja … sie kosten knapp unter 20 Euro. Man reiche mir mein Diadem …

Dunkel geröstete, gleichmäßige Bohnen, die verlockend nach dunklem Kakao, Marzipan, roter Johannisbeere und Mango duften.

Im Mund vielschichtige, üppige, obertonreiche Noten von Marzipan, edelster Dunkelschokolade, Rotwein, Vanille, vollreifer Mango, rotem Johannisbeergelee und einer winzigen Spur von frischem, feuchtem Tabak. 

Geschmeidige, weiche Textur, schöne, beständige Crema. 

Der Ocoa löst eine sanfte, warme, beglückende Weitung innerer Räume aus. Ein endlos erscheinender, facettenreicher, äußerst harmonischer, Nachklang sorgt für ein paradiesisches Gefühl von langanhaltendem Wohlumsorgtsein.

Chapeau und Frau Antjes Tazzina d’Oro nach Bern!

“Senza Parole ll” von der Rösterei Kaffeekultur

Heute möchte ich euch grandiose Röstaromen-Pyrotechnik aus Fulda vorstellen!
“Senza Parole ll” von Kaffeekultur Fulda.

50% Robusta/50% Arabica.

Ein ausdrucksstarker, köstlicher, dunkel gerösteter Espresso, dessen Geschmacksprofil mich auf Anhieb an saftigen Rotwein-Schokoladenkuchen denken lässt. Rotwein-Schokoladenkuchen, wohlgemerkt, der mit erstklassigem, schwerem, trockenem Barolo  und bestem, tiefdunklem, balanciert-aromatischem, warm-schmelzendem Criollo-Kakao zubereitet wurde.

Dazu gesellt sich interessanterweise, während ich den Schluck einen Moment im Mund bewege, eine sehr zurückhaltende, kühl-würzige Note von schwarzem Assamtee.

Wir haben also eine Mischung , die wohlige Wärme und sehr zarte Kühle zugleich in sich birgt.

Spannende Schattierungen!
Da ist ein winziger, feucht-erdiger, leicht nussiger Anklang an frische Waldchampignons. Daneben das tiefdunkle, marmeladig-fruchtige Aromenschwingen sonnengereifter, süffig-süßer Zwetschgen und gekochter Rosinen. Wohldosierte, abrundende, warme Rauchigkeit. … Und all das begleitet von einem sehr angenehmen Mundgefühl, das etwas an frischem Rahm erinnert, nachdem man zuvor, nur einmal kurz, an einer Zigarette (eher spanische Ducados als was Blondes) gezogen hat.

Der Nachklang ist lang anhaltend warm-röstig und ausgesprochen befriedigend.

Ein dickes Lob und eine Tazzina d’Oro gehen hiermit an den Röster Wolfgang Klose!

“Bombay R” von der Kaffeerösterei Petrus

Österreich kann Espresso!
In diesem Fall schwelge ich gerade in einem dunklen 100% Robusta aus Indien von der Kaffeerösterei Petrus in Oberwart. “Bombay R”. Kraftvoll, wild und zottelig in seinen warmen, schoko-krokantigen Röstaromen, mit einem winzigen Schlückchen Champagner anbei. Extrem langer, superweicher, sich wunderbar warm ausbreitender, dunkelschokoladiger Nachgeschmack.
Köstlich !

(Herzlichen Dank für die tolle “Tazzina d’Oro” – Grafik an Daniel Platzer ❤️)

“Khilanaa” von Supremo

Ein weiteres 100%-Robusta-Highlight:
Der “Khilanaa” von Supremo.
Sortenreine, dunkelbraun geröstete, recht große Bohnen aus Indien (French Roast).

Der “Khilanaa” ist großartig!
Das erste, was mir dazu einfällt, ist Zabaglione. Dieses köstlich-schaumig-seidige italienische Dessert aus Eigelb, das mit Zucker und samtig-süßfruchtig-würzigem Marsalawein zu einer süffigen Creme aufgeschlagen wird.
Und dann alleredelste, herbdunkle Schokolade.
Das Wort ‘erdig’ steht zwar, neben anderen, auf der Packung – aber es würde mir zu diesem Espresso nicht in den Sinn kommen.
Auch Nussigkeit, wie angegeben, kann ich nicht feststellen.
Er hat etwas sehr Feines, Auserlesenes, Aromensattes.
Eine anmutige Süße. Einen zarten Hauch Säure.

Eine leichte, perfekt zu den volumenreichen Edelkakao-Noten passende Rauchigkeit, die sich erst nach ein, zwei Sekunden enthüllt.
Sehr zarte Anklänge von Orangenschale und Rosinen.
Ein Traum von einem dunklen NonArabica-Espresso – absolut rund und durch und durch beglückend.
Frau Antje hat beide Daumen oben! Und verleiht erfreut ihre Tazzina d’Oro  🙂

“Espresso Fuerte” von der Kaffeerösterei Langen

“Espresso Fuerte” von der Kaffeerösterei Langen in Medebach/Sauerland.
80% indischer Robusta/20% brasilianischer Arabica. Dunkle Röstung (French). Stellenweise ganz leicht ölig.

Für einen dunklen 80% Robusta geradezu klar, elegant und obertönig.
Ich bin wirklich, auf äußerst angenehme Weise, erstaunt.

Da ist schon auch die robustatypische, volle, süße Wuchtigkeit … aber die liegt zusammengerollt im Brennholz-Korb, wie ein schlanker, schwarzer Kater mit seidigem Fell, der sanft und verschlafen blinzelt, wenn man durch den Raum geht, und dem man nächtliche Raufereien und zerfetzte Ohren gar nicht zutrauen mag.

Schöne, komplexe, sehr edle 100% Criollo-Kakaoaromen. Dazu frisches Haselnusskrokant. Eine angenehme Spur Rauchigkeit. Eine Ahnung von schwarzem Johannisbeer-Gelee. Ein Quäntchen dunkler Tabak.

Dieser Espresso ist für meinen Geschmack eindeutig am leckersten, elegantesten und komplexesten, wenn er minimal schneller durchfließt, als es meinem Standard entspricht.

Der wunderbar exquisite “Fuerte” kann schnell zu wuchtig werden mit seinen 80% Robusta, wobei dann die Wuchtigkeit den arabesken Aromen-Klangteppich in seinen vielfältigen, feineren, zarteren Schwingungen dämpft und eingrenzt, und das Röstaromenbündel zu viel an Schwere, Dichte, Dunkelheit und lastender Dominanz gewinnt. Was in der leichteren Zubereitung den ganzen Körper in einen Zustand freudig-warmer Klarheit zu versetzen vermag, hat in der verdichteteren Form fast schon etwas Erdrückendes.

Weniger ist eben manchmal mehr.

Insgesamt ein Espresso von allerhöchster Qualität, der, weit über eine Stunde lang, auf wunderbare, sanft wärmende, schokoladig einhüllende Weise, im Körper nachklingt.

Wow!  Frau Antje verleiht mit Freuden die Tazzina d’Oro!

“Mocca” von Naber

“Mocca” von der Kaffeerösterei Naber – ein exquisiter, dunkel gerösteter Espresso aus Wien.

Da ich bisher keine genauen Angaben dazu habe, hier meine Schätzung: 50% Arabica/50% Robusta.

Zubereitet mit einer 2nd Generation La Pavoni Europiccola, 14g, geschätzte 96ºC, Apollo 7’4”, 3 Schluck out.

Kräftig dunkelschokoladig-malzig, mit Noten von Buttertoast und einer zarten Spur Bittermandel. Minimal rauchig. Weicher, dichter Körper. Keinerlei vordergründige Säure.

Der “Mocca” schenkt eine angenehme, einhüllende, besänftigende Wärme, die sich vor allem hinter dem Brustbein deutlich ausbreitet und bis in den Bauch hinab wohlig spürbar ist.

Im Abgang gesellt sich ein gut vernehmbarer Hauch von aromatischer, reifer Mango zum Röstaromen-Cluster.

Ausgesprochen lecker!

“Espresso Napoletano” von Schamong

Ekstase im Espressoverkostungs-Studio von Frau Antje!

Der Espresso, den ich heute morgen frisch angebrochen habe, ist die Wucht:
“Espresso Napoletano” aus dem Hause Schamong in Köln.
60% brasilianischer Robusta (Conilon) /40 % brasilianischer Arabica (Santos) …

Conilon Robusta aus Brasilien hat mich ja schon beim “Impossibile” von Martermühle schwer begeistert.
Nun taucht er für mich erneut auf – in dieser dunklen Meister-Röstung von Schamong.

Mit der Tüte hatte ich ja zugegebenermaßen so meine Schwierigkeiten:

Es gab da eine Lasche zum Wegziehen – und irgendwie blieben die Bohnen nach dem Wegziehen meinem erwartungsvollen Blick weiterhin verborgen. Zu ertasten war etwas, was ich als Verschluss-Leiste deutete. Also nahm ich eine Schere und schnitt die obere Kante der Tüte ab, in der Hoffnung, dadurch den erwarteten Zip- oder Clip-Verschluss freizulegen.
Fehlanzeige! Da ist jetzt eine einzelne Leisten-Hälfte. Na, egal … ich hab ja Klammern.

Der Inhalt löst jedenfalls Schmeck-Purzelbäume in mir aus!
Edler, sagen wir mal 90%iger Kakao, voller Noten von geröstetem Malz und getoastetem Brot mit Butter. Des weiteren Spuren von Zedernholz und eine Ahnung, wirklich nur ein My, von frischem, dunklem Tabak. Schwere, klingende Süße von Haselnusskrokant. Laaaaaaaaanger, warmer, dunkelschokoladiger Abgang.

Ein Espresso,  der den ganzen Körper vor Röstaromenseligkeit und wohliger Wärme schnurren lässt.

Wow !

“Villa Oriente” von der Rösterei Kaffeekultur

Der “Villa Oriente” ist eine der kapriziösesten Röstungen, die mir je untergekommen sind.
Die erste Packung habe ich vor Wochen von einem Mitglied meiner Espresso-Community, im Tausch gegen andere Bohnen, bekommen. Ein labberiges, vom Röster handbeschriftetes Papiertütchen, das über die Osterfeiertage im Post-Kosmos getrudelt hatte.
Der erste Bezug hat mich sehr begeistert. Danach erstmal keiner mehr. “Okay” , dachte ich nach mehreren, weiteren, kläglichen Versuchen, “vielleicht haben die Bohnen in der fadenscheinigen Hülle und in der Osterwärme doch zu sehr gelitten. Ich bestell nochmal 250g – und dieses Mal, wie vom Röster angeboten, in der Unöko-Alutüte.”

Die zweite Charge schmeckte von Anfang an sehr anders als die erste. Nicht unbedingt besser.
Worauf ich das Päckchen erstmal in der Speisekammer hab ruhen lassen.
Bis gerade eben.
Dieses Mal habe ich nicht, wie bei den Malen davor, die Kinu, sondern die Apollo zum Mahlen gewählt. Sozusagen als Anti-Zauber, um den Bann zu brechen. Bohnen können ja starke Antipathien gegen Mühlen entwickeln, wenn diese sie zur Unzeit, mit der falschen Kante, links der Naht erwischen. Prinz Apollo verbeugte sich höflich und bat zum Tanz.
Und siehe da:
Madame Villa lüftete ihren Schleier. Und da trat er wieder in Erscheinung, der tolle, sehr eigene, leicht rauchig-karamellig-dunkelschokoladige, wirklich leckere Geschmack vom ersten Mal.
Puh! Manche Persönlichkeiten lassen sich wirklich bitten … Aber dann rauschen sie mit Pomp und Juwelen in der goldenen Kutsche herbei …