„100% Napoletano“ und „Caffè Napoletano“ von Nurri Caffè

Der Neapolitaner Antonio Nurri kann nicht nur sehr besondere, hochwertige Espressomaschinen und nerdige Profi-Tools für die Espressozubereitung bauen, … 

* (siehe Fußnote) 

… sondern auch hervorragenden Espresso rösten und blenden!

Ich hab mir inzwischen mehrmals sowohl den ‚100% Napoletano‘ (die rote Packung, 50% Arabica/50% Robusta), als auch den ‚Caffè Napoletano‘ (die Packung mit der himmelblauen Banderole, 80% Arabica/20% Robusta) zum Verkosten bestellt – und bin von beiden schwer begeistert!

Soviel sei schonmal verraten:
Mein Favorit von den beiden ist der Rote. Er hat mich noch punktgenauer in meinen persönlichen 7. Espressohimmel katapultiert, als der Blaue – vor allem, nachdem ich irgendwann begonnen hatte, ihn nicht mehr, wie anfangs, mit 95ºC, sondern nur noch mit 90-92ºC zu beziehen.

Doch bevor ich zu den Verkostungen komme, möchte ich Antonio Nurri die Gelegenheit geben, ein wenig darüber zu erzählen, wie er zum Kaffeerösten und zum Espressomaschinenbauen gekommen ist und wie sich sein Alltag heute damit gestaltet. (An dieser Sie ein herzliches Danke für den netten Austausch, Antonio!) Voilà! 

„Für die meisten jungen Italiener meiner Generation war es ziemlich normal, mit einem einfachen Frühstück aufzuwachsen, das aus einer Tasse Milch mit Kaffee und dazu Brot bestand.

Wenn du in meiner Stadt keinen Espresso trinkst, reduziert sich dein soziales Leben mindestens um die Hälfte. Es ist so absolut natürlich für uns, dass wir in Neapel tagsüber regelmäßig in Bars gehen, und Kämpfe auszutragen, weil jeder die Zeche für die ganze Gruppe bezahlen will. Das gehört zu unserer Lebensweise.

Ich habe als Exportmanager gearbeitet, der um die Welt gereist ist, um neapolitanischen Espresso und Espressomaschinen zu verkaufen. Ich war sehr stolz auf die Produkte, die ich verkauft habe, zusammen mit den Gewohnheiten, die diese Produkte mit sich bringen. Selbst in Kulturen, die weit von der unseren entfernt sind, und in denen traditionell noch nicht einmal das Trinken von gewöhnlichem Kaffee üblich ist, wurde das Ritual, das ich mitbrachte, als etwas Angenehmes akzeptiert.“

So fing es also an.

Nurri hat sich, wie viele anspruchsvolle Röster, auch hierzulande, bewusst für das sogenannte Post Blending entschieden, bei dem die einzelnen Rohkaffees separat und schonend langzeitgeröstet werden, um dem Aromenpotential des jeweiligen Kaffees die Gelegenheit zu geben, sich in seiner ganzen Fülle zu entfalten. Das ist natürlich aufwendiger, zeitintensiver und somit auch teurer, als alle Bohnen für eine Mischungsrezeptur gemeinsam und, im schlimmsten Fall, auch noch schnell zu rösten.
Zum Blend, der Miscela (Mischung), wie wir sie in der Kaffeepackung vorfinden, kommt es erst nach dem Rösten der einzelnen Rohbohnen-Chargen.

Er erzählt: „Ich liebe es, mich dem Rösten zu widmen, wenn ich genügend Zeit finde, um es wirklich gut zu machen. Vor allem neue Blends und Stichproben von Rohkaffee-Chargen, direkt nach ihrer Lieferung, röste ich gerne selbst. Danach genieße ich meine Röstungen in Gesellschaft von Freunden.
Die Konstruktion und das Bauen von Maschinen hält mich unter der Woche extrem beschäftigt. Aber auch diesen Job liebe ich. Das Verständnis für den gesamten Prozess, vom Rohkaffee bis zum fertigen Espresso in der Tasse. Man muss jeden einzelnen Schritt gut kennen, um sowohl dem Rösten, als auch aus der Extraktion das Bestmögliche zu entlocken. Das ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die viel Zeit erfordert, doch wenn du schließlich ein perfektes Resultat in der Tasse hast, ist das Gefühl, was du zurückbekommst, schlicht unbezahlbar.“

Beide, der ‚Caffè Napoletano‘ und der ‚100% Napoletano‘ werden in einem 120kg-Röster von Trabattoni napoletanisch-dunkel geröstet. Letztere Bohnen noch eine winzige Nuance dunkler, so dass wir das intensive, glänzende Dunkelbraun eines Italian bzw. Neapolitan Roast zu sehen bekommen.

Auf dem Foto oben ist das nicht gut zu erkennen, doch ich habe selten erlebt, dass Bohnen SO geschreddert bei mir ankamen, wie die Mischungen von Nurri. Und zwar, außer bei meiner allerersten Packung, buchstäblich jedes Mal. Keine Ahnung, was damit – offenbar standardmäßig – passiert.

Wie dem auch sei: Der weichen, röstigen Aromenkomplexität, dem vollen Geschmack und dem wirklichen Hochgenuss, den ich gleich beschreiben werde, tut dieser optische Makel keinen Abbruch.

Lasst uns mit dem ‚Caffè Napoletano‘ (blau) beginnen. Er setzt sich zusammen aus 80% zentralamerikanischen Arabicas und 20% gewaschenem, afrikanischem Robusta.

14,8g, mittelfeiner Mahlgrad, 94ºC, 9,7g out in insgesamt 24 Sekunden (24 Sek. (9 Sekunden aktive und passive PI, 15 Sek. ab dem ersten Tropfen). 

Insgesamt rund, weich, warmröstig, mit einer tollen, samtigen Textur. Recht viel Süße und so gut wie keine schmeckbare Säure. Eine ganz leicht rauchige, edle, weiche, wohlige Bitterkeit.

Antonio Nurri beschreibt ihn auf seiner Website mit „Andeutungen von Honig, gerösteten Haselnüssen und den aromatischen Noten zentralamerikanischer Arabicas“.

Da im Internet bekanntlich meist einer vom anderen abschreibt, findet sich genau diese Beschreibung auf den Websites der unterschiedlichen Kaffeevertriebe, die diese Nurri-Mischung im Programm haben.

Okay, mit Honig kann ich mitgehen. Doch was für ein Honig?

Wer nicht nur irgendeinen 08/15-Billig-Blütenhonig zuhause hat, sondern auch hier, wie beim Espresso, dem vielfältigen, feinschmeckerischen Sinneserleben zu frönen gewillt ist, weiß, wie sehr sich ein Buchweizenhonig von einem Lavendelhonig, einem Akazienhonig, einem Rapshonig oder einem Kastanienhonig unterscheidet. So ziemlich das Einzige, was alle Honigsorten geschmacklich gemeinsam haben, ist ihre warm-enzymatische Grundsüße. Und ja, diese Art von Grundsüße ist da. Ich möchte an dieser Stelle jedoch gerne etwas weiter gehen. 

Die Honignoten im ‚Caffè Napoletano‘ erinnern mich am ehesten an kräftig-herben, karamellmalzigen, nadelholzwürzigen Weißtannenhonig (der, im Gegensatz zu Blütenhonigen, nicht vorwiegend aus Blütennektar, sondern aus den glukosehaltigen Ausscheidungen von Blattläusen besteht, welche sich zuvor die Siebröhrensäfte ihrer Lieblingsbäume (zumeist Tannen, Fichten oder Eichen) einverleibt haben. Man nennt das Sekret Honigtau, was natürlich ungleich leckerer klingt, als „Blattlaus-Ausscheidung“.

Weißtannenhonig schmeckt tatsächlich ein bisschen so, wie Tannenwaldboden riecht: Das hat was von gemischten, waldwürzigen Kräutern und sich zersetzenden Tannennadeln, hat was Flechtenherbes, was Holziges und was Pilziges, hat durchaus auch wild-tierische Komponenten – und vor allem eine harzig-rustikale, dunkelkaramellige Süße.

Das breit-intensive, dichte, süßbuttrige Aroma von gerösteter Haselnuss schmecke ich hingegen nicht raus. Für mich hat der blaue Nurri (wie auch der rote) deutliche Noten von frisch gerösteter Mandel – nicht minder köstlich, aber eben anders: Enger im Mund und in der Körperresonanz, sanft-bitter und eine klitzekleine Spur salzig, ein bisschen rosenfruchtig-duftig, was die Haselnuss überhaupt nicht hat, und insgesamt nicht gar so warm wie getoastete Haselnüsse.

Und Schokolade, ja, natürlich, Schokoladennoten sind da auch. Und zwar satt. Tiefdunkler, edler Kakao, vielleicht Piura. Durch die oben beschriebenen Tannenhonignoten fühle ich mich jedenfalls an die ‚Piura Quemazon‘ von Pacari erinnert. (Off-topic: Für mich produziert Pacari mit die genialsten Bitter-Schokoladen überhaupt. Vor allem seine 100%igen Rohkakao-Schokoladen sind für mich absolute Highlights, die ich allen fortgeschrittenen, puristischen Dunkelkakao-Fans wärmstens empfehlen möchte. Die ‚Piura Quemazon‘ ist allerdings conchiert und enthält „nur“ 70% Kakao – was sie auch für weniger hartgesottene Schoko-Gourmets interessant machen dürfte) . 

Des weiteren habe ich Noten von heller, an der Rebe zur Rosine gewordener süßer Weintraube wahrgenommen, die einen klitzekleinen, weichen, süßfruchtigen, wunderbar harmonierenden Säurespritzer in den Geschmacksreigen treten lässt. Dies vor allem bei Brühtemperaturen unter 93ºC. 

Im Abgang hallt Dunkelschoko-Karamell lange nach. Saulecker! 

Nun zum ‚100% Napoletano‘, dem Roten, Wuchtigeren ‚ (50% mittelamerikanische Arabicas und 50% gewaschene, afrikanische Robusta-Bohnen).

Samtig, zutiefst dunkelschokoladig, mit weichen Aromen von gerösteten Mandeln, getoastetem Weizenbrot mit süßer Butter, Grapefruitmarmelade und einem Körnchen Meersalz.

Null, hier wirklich NULL schmeckbare Säure. 

15g in, 11 Sek. passive PI, 4 Sek. aktive PI, 10 Sek ab erstem Tropfen, moderater Hebeldruck, 11,12g out bei 90ºC.
– und der Olymp der Schokolikörigkeit ist für mich erreicht:

Göttlich! Samtig weich, rund, üppig, süß, süffig-dunkelkakaoiger, laaaaanger Abgang. Betörend köstlich! 

Auch der ‚100% Napoletano‘ hat Kakaonoten, die mir erneut eine Kreation von Pacari in den Sinn kommen lassen: Die wunderbare, wuchtige ‚Raw organic 100% Cacao‘ (eine Rohschokolade aus Arriba Nacional-Kakao, die trotz ihrer kraftstrotzenden Intensität erstaunlich gefällig ist, jedenfalls für 100% Kakao, der keinem Conchierungsprozess unterzogen wurde. Sicherlich deswegen hat sie bei den American Chocolate Awards 2017 eine Goldmedaille abgeräumt … Das nur nebenbei, für all diejenigen, deren Finsterschokoladen-Leidenschaft sich nicht allein auf neapoletanischen Espresso beschränkt). 

Solange der ‚100% Napoletano‘ noch sehr frisch ist (bis ca. 6 Wochen nach dem Röstdatum) bleiben sprödere Aromen im Vordergrund. Etwas wie sommertrockenes, Strandkiefernholz, das in der Nähe eines Lagerfeuers gelegen hat, was sich als salzig-holzig-rauchige Nuance auch sehr gut macht in der Gesamtkomposition. Während sich mit zunehmender Reifung das Sahnige, Süffige, Süße, Dunkelschokolikörige die Bühne aneignet, zeigt sich bei allzu frischen Bohnen eher eine angenehme, jedoch noch etwas ungeschliffene, zusammengehaltene Herbheit. Das ist dann mehr was für die Pilsenertrinker unter den Dunkel-Espressofans. 

Also, wenn ihr süße, sahnige Dunkelschokoladigkeit wollt, die sich warm und wohlig im ganzen Körper ausbreitet, lasst ihn lieber noch ein bisschen ruhen! Es lohnt sich! Und bezieht ihn nicht zu heiß! Da dieser Espresso keinerlei schmeckbare Säuren aufweist, müsst ihr niedrigere Temperaturen nicht fürchten, sofern ihr zu den Zeitgenossen gehört, für die Säure im Espresso nichts verloren hat. Bei 90-92ºC und etwas mehr Reife entfaltet er seine Schokolikörigkeit am aromenbreitesten und -sattesten – finde ich. Probiert es selbst aus. 

Kommen wir nun zum Ende dieser Rezension:

Frau Antje verleiht mit großer Überzeugtheit und Freude zwei Mal ihre Tazzina d’Oro! 

 

* (Oberes Maschinen-Foto: Die Nurri L-Typ Leva S.A.

Unteres Maschinen-Foto: Die sogenannte Nurri ‚Barista Multiple Station‘ (BMS), die ein ‚Vibration Distribution Tool‘ (VDT) beinhaltet, welches es auch solo käuflich zu erwerben gibt.) 

 

 

 

 

 

 

 

„Modica“ von Caffè Maisto

Liebe Anhänger des Dunkelespresso-Kultes, ich sag’s euch gleich vorweg: In dieser Rezension wird es zunächst viel um Schokolade gehen. Wirklich um Schokolade. Und erst dann auch um eine wunderbare, schokotrunkene Espressomischung.

Maisto Caffè ist vielen von uns schon länger bekannt als Alleinvertreiber der köstlichen Caffè del Sole-Mischungen, die die neapolitanischen Rösterei ‚Coffee for Life srl‘ produziert. Daneben gibt es die Eigenmarke „Maisto Caffè“. Eine der Mischungen aus dieser Reihe trägt den Namen ‚Modica‘ – benannt nach einem barocken Städtchen am südlichen Dreieckszipfel Siziliens. Man betont Modica übrigens auf dem o und spricht es aus, wie das o in Konzert: [ˈmɔːdika]

Als meine Liebste und ich Modica vor Jahren besuchten, war es März. Wir hatten Dauerregen, gelegentlich sogar durchsetzt von großen, nassen Schneeflocken. Alles war klamm und die Fensterscheiben der Läden, Bars und Restaurants waren dick beschlagen. Draußen war es verdammt ungemütlich. Immerhin gab es eine Heizung in unserem Zimmer der bezaubernden Unterkunft, was in sizilianischen B&Bs ganz und gar keine Selbstverständlichkeit ist. Aber wer sitzt schon die ganze Zeit im Zimmer, wenn es, trotz Bindfadenregen und Kälte, vor der Tür viel zu entdecken gibt?

Sehr schnell fanden wir heraus, womit wir uns tagsüber gelegentlich aufwärmen konnten:
Mit köstlicher, heißer, dickflüssiger Trinkschokolade ! Die wurde wirklich in jeder Bar angeboten, pur, mit Chili, mit Zimt, mit Ingwer und in vielen anderen Varianten.

Modica ist seit dem 16. Jahrhundert bekannt für die Produktion und Verarbeitung von Schokolade, und auch jetzt noch arbeiten in der Stadt zahlreiche Chocolatiers (der wohl bekannteste ist ‚Bonajuto‘, des weiteren gibt es ‚Luchino‘, ‚Sabadì‘, die ‚Antica Dolceria Rizza‘ und sicher noch weitere).
Heute gilt Modica als einer der vier Schokoladen-Hotspots in Italien.

Achtung!
Der ab hier folgende, kursiv geschriebene Text ist exklusiv für Schoko-Nerds und Kulinarik-Neugierige!

Alle, denen Schokoladenkultur und – genuss komplett Latte sind, scrollen bitte weiter bis dort, wo nach der zweiten gestrichelten Linie fett das Wort „Verkostung“ zu lesen ist! Da geht’s dann richtig los mit dem zu besprechenden Espresso, versprochen …

Unverbesserliche Kakao-Schleckermäuler und Wissbegierige mögen mir hingegen ab hier unbeirrt durch’s Kursive folgen.

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Da ihr euch möglicherweise gefragt habt, welches denn die anderen drei italienischen Schokoladen-Hotspots sind, möchte ich diesbezüglich sogleich Licht ins Dunkel bringen. Es handelt sich um:

1. Turin im Piemont – mit den Chocolatiers ‚Domori‘, der Schokoladen der obersten Extraklasse herstellt, ‚Guido Gobino‘, dessen Schokoladen ich ebenfalls sehr schätze, ‚Peyrano‘, ‚Guido Castagna‘, ‚Baratti e Milano‘, ‚Venchi‘, ‚Leone‘ (Ja, die von den bekannten „Pastiglie Leone“! Die machen auch tolle Schokoladen!) und ‚Pfatisch‘ (Betonung auf dem a),

2. Perugia in Umbrien, wo die berühmten ‚Baci‘ aus der Schokoladenfabrik ‚Perugina‘ herstammen, und wo jedes Jahr Europas größtes Schokoladenfestival „Eurochocolate“ stattfindet.
Meine Liebste ließ dazu den folgenden Satz fallen: „Wirklich? Perugia? Also die Marke Perugina ist in Italien ungefähr so, wie Barilla für Nudeln.“ Da hat sie wohl recht. Mir ist das Zeug eh viel zu süß. Die Firma ‚Perugina‘ gehört übrigens zum Nestlé-Konzern (während Barilla ein eigener, weltweit agierender Konzern ist, der sich u.a. Marken wie ‚Wasa Knäckebrot‘ einverleibt hat). Hotspot heißt, wie wir also sehen, nicht zwingend, dass dort hohe Qualität zu finden ist.

und

3. die Region Toskana und ihr sogenanntes „Chocolate Valley“ – mit den Chocolatiers ‚Amedei‘ (der einige meiner absoluten Lieblingsschokoladen produziert. Einsame Spitze!), ‚Trinci‘, ‚de Bondt‘ und ‚Majani‘ in Pisa, der ‚Pasticceria Mannori‘ in Prato, und den Chocolatiers ‚Slitti‘, ‚Roberto Catenari‘ und ‚Casa Tuscani‘ bei Pistoia.
Trinci und Slitti sind übrigens gleichermaßen berühmt für ihre Kaffees, wie für ihre Schokoladen! So weit liegt beides eben nicht auseinander … .

Zurück nach Modica: Die Organisation ‚Slow Food‘ hat sogar ein Presidio für die sizilianischen Schokoladen-Spezialitäten eingerichtet, um sie aktiv zu fördern und zu schützen.

Seit vielen Generationen wird in Modica weitgehend dieselbe, schon bei den Mayas und Azteken bekannte, Verarbeitungstechnik angewandt: Das Vermischen von kalter Kakaomasse mit Zucker.
Während in der Schweiz Rodolphe Lindt im Jahr 1879 das Conchieren mittels eines speziellen Knet- und Rührwerkes erfand, das Schokoladen geschmeidig und einheitlich werden ließ, hielten die Chocolatiers von Modica an ihrer althergebrachten Tradition fest und stellten weiterhin gewalzte Schokolade mit typisch rauher, körniger Textur her: Diese ist matt, porös und, da die Zuckerkristalle durch die kalte Verarbeitung nicht aufgelöst sind, knuspert und kracht sie deutlich beim Kauen. In heißer Trinkschokolade bekommt man von Zuckerkristallen natürlich nichts mehr mit.

Ich konnte damals nicht umhin, mich auch der einen oder anderen bröckelig-körnigen Tafel-Schokolade zu widmen, da dort in den Bars überall Schalen voller Probierbröckchen zum Naschen rumstanden.

(Foto: Elizabeth Lemon)

Weil die Reise nun aber schon lange zurück liegt, habe ich, als Erinnerungsstützen, eigens für diese Rezension zwei Schokoladen-Spezialitäten aus Modica in mein Espressoverkostungs-Studio einfliegen lassen:

Die Sorte ‚Noce Moscata‘ (Muskatnuss) von ‚Bonajuto‘, die erwartungsgemäß sehr zuckerknirschig daherkommt, was ich durchaus reizvoll finde, zart muskatig und karamellig schmeckt, und, für meinen Geschmack, deutlich die Grenze meiner persönlichen Zuckertoleranz bei Schokolade überschreitet. Der Kakaogehalt liegt bei 65%.

Die zweite Besucherin aus Modica ist die ‚Crude 100% Bio‘ der jungen Chocolaterie ‚Sabadì‘, die mich wirklich begeistert.

Sie besteht einzig und allein aus ecuadorianischem Arriba-Nacional-Kakao (noch nicht einmal ein Zusatz von Kakaobutter!), und wurde, wie alle Schokoladen aus Modica, höchstens bis 45ºC erhitzt und nur gewalzt.

Da sie keinen Zucker enthält, entfällt das Knirschen beim Kauen. Dafür ist das Mundgefühl so unglaublich dicht und wuchtig, dass ich jedes mal assoziiere, in ein schwarzes Loch von staubtrockenen Kakaonoten gesogen zu werden. Bis zu den Fußsohlen geht der Sog, während die Geschmacksknospen minutenlang in einer schweren, spröden, streng-nektarischen, unglaublich intensiven Aromenmasse voller tropenblumiger Nuancen kleben bleiben. Die Venus Fliegenfalle für Fliegen, die es lieber herb als süß mögen!
Das Echo dieser Erstaunlichkeit hält gut eine Stunde lang an. Sensorisch hochinteressant – und tatsächlich überaus befriedigend. Wer sich für 100%ige Schokoladen zu begeistern vermag, sollte die puristischste Rohkakao-Kreation von Sabadì unbedingt probieren! Gibt’s u.a. bei Viani: https://www.viani.de/de/tafelschokoladen/crude-100-bio-raw-schokolade-sabadi-50-g, oder bei 1001 Sense: https://www.1001sense.com/marken/brands-o-s/sabadi/sabadi-crude-100.html. 

Nicht, dass jetzt bei meinen geschätzten Lesern die Idee aufkommt, kalt gewalzte, 100%ige Schokolade sei immer so, wie eben beschrieben. Mitnichten!

Ein wunderbares Gegenbeispiel dazu ist die komplett in Sao Tomé e Principe produzierte ‚100% Puro Cacau‘ des eigenwilligen Kakaoproduzenten, Meister-Chocolatiers und Kaffee(Liberica!) – bauern Claudio Corallo:

Die flachen, stumpfen Täfelchen duften süß-aromatisch und verlockend. Nach dem Abbeißen bahnt diese Schokolade sich ihre Aromen-Präsenz in Mund und Nase zunächst sanft und zurückhaltend wie eine laue, leicht herbe Brise. Ein ganz leises, fernes tropisches Echo ist da beim ersten Hinschmecken zu vernehmen. In keinem Moment kommt Corallos 100%ige wuchtig daher. Im Mundgefühl ist und bleibt sie recht unprätentiös. Und dann sitzt du da, und glaubst plötzlich, die Regenwälder selbst zu schmecken, zart und traumgleich, doch gleichwohl in all ihrer aromatischen Tiefe, Breite und Buntheit.  … Es reicht ein winziges Stück, und du bist für den Rest des Nachmittags erfüllt davon. 

Ganz schnell möchte ich noch erwähnen, dass Claudio Corallo eine Schokoladensorte in seinem Sortiment hat, die Libericakaffee enthält. Ich werde sie demnächst pflichtschuldigst probieren!

Soweit mein heutiger Lobgesang auf die betörende, vielgestaltige, Zwillingsschwester der dunklen Espressoröstung, die ich am allerliebsten habe, wenn sie nackt und völlig ungeschminkt ist. Nach diesem, für mich unumgänglichen, Schokoladen-Exkurs komme ich nun zurück zum eigentlichen Thema, Espresso, und zur hier zu verkostenden Bohnenmischung namens ‚Modica‘.

Ich war wirklich äußerst gespannt darauf, als wie schokoladig der Espresso sich bei aller Erwartung schließlich erweisen würde. Und an welche Schokolade er mich erinnern würde.

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Verkostung:

Für den Modica gilt: Die Bohnen sind am besten nach mindestens 8 Wochen ab Röstdatum. Vorher fand ich den Espresso eher enttäuschend aromenstumpf, wenig obertonreich und schüchtern in seiner Süße. Ich dachte schon „Na ja, geht so, die erste Charge war besser“ – und dann explodierten die Aromen plötzlich wie Knospen am ersten richtig warmen Frühlingstag.

Die Bohnen von unterschiedlicher Größe sind so gleichmäßig dunkelbraun und leicht glänzend, wie man es üblicherweise von dunklen Schokoladen kennt.

Wirklich satt dunkel.
Und sie duften warm, nach Tabak und spät geerntetem Heu, also ein bisschen cumarinwürzig, sowie nach getrockneten Feigen und tatsächlich auch nach dezidiert-aromatischer, purer, bestenfalls minimal gesüßter Schokolade.

Nicht allzu fein gemahlen fließt bei 95ºC ein sämiger Faden in die Tasse. Wunderbare Crema, weicher, warm-aromatischer Geruch, der alles enthält, was ich oben bereits geschrieben habe.

Eine Freundin, der ich nach dem gemeinsamen Abendessen diesen Espresso kredenzt hatte, drückte ihre ersten Eindrücke so aus: „Mmmmmmmh …  … Ganz weich! … Rund!  ….  Voll! …“.  Ja, das trifft es wunderbar. Danke für deine völlig unbefangenen Worte, Julia.

Bereits beim ersten winzigen Schluck zieht sodann eine warme, üppige, Dunkelkakaospur hinter’s Brustbein. Mächtig und fein zugleich. Erdig-holzig. Weiterhin Heu, Tabak, getrocknete Feige.

Keinerlei schmeckbare Säuren. Dafür eine austarierte, kaffeelikörige, ganz leicht rauchige Süße.

Dunkles Karamell ist auch vorhanden.

Die Dunkelkakaospur breitet sich wohlig in alle Richtungen aus. Eine klitzekleine Salzigkeit. Noten von gerösteter Pekannuss. Ein zartes Echo von Vanille.

Ich fühle mich an die köstliche ‚Extreme Dark 99% Kakao‘ des Amsterdamer Schokoladenherstellers Lovechock erinnert (übrigens auch eine Rohschokolade, der allerdings Kakaobutter zugefügt wurde. Plus das eine, sehr geschmacksprägende Prozent neben Kakaomasse und Kakaobutter, bestehend aus Vanille, Lucumapulver und Meersalz).

Während ich noch der warmröstigen Pekannuss und der Vanille nachhänge und darin schwelge, kommt sie unversehens um die Ecke gebogen, und zwar ohne die Harmonie auch nur im Geringsten zu stören:

Süße, RICHTIG SÜSSE, milde Zitrusfrucht. Oh! Etwas, was ich in unkandierter Form nur von der süßen iranischen Zitrone kenne, der Limu Shirin (der afghanische Obst- und Gemüse-Händler, bei dem ich diese Früchte zum ersten Mal gekauft habe, sprach es „Limuuuschrin“ aus, mit Betonung auf dem u – es klang unglaublich weich).

Die, im Gegensatz zu Zitronen, kugelrunden Limu Shirin haben null vernehmbare Säure und schmecken trotzdem auf ganz milde Weise zitronig. Vielleicht vergleichbar mit in Zuckerwasser gekochter Zitronenschale, einem Getränk, das in Italien ‚Canarino‘ (Kanarienvogel) heißt, und bei Magenverstimmung getrunken wird.

Süße Zitrone in schmelziger, üppiger, voll schwingender Dunkelschokolade: Ein absolutes Highlight der Espresso-Komposition!

Arabica/Robusta? Herkunft der Bohnen? Rösterei? Die Fragen hatte ich natürlich auch. Ich muss euch die Antworten noch ein Weilchen vorenthalten – aus Gründen. Ich kenne sie selber noch nicht. Diese Infos werden demnächst nachgeliefert. Habt bitte ein wenig Geduld! Bis dahin schätze ich einfach mal 70% Robusta und vermute, der süßen Zitronenaromen wegen, eine afrikanische Herkunft zumindest eines Teiles derselben. Dazu bestimmt irgendwas mit Brazilian Santos. Lassen wir uns überraschen und warten wir gespannt auf die Enthüllung … 

Frau Antjes ‚Tazzina d’Oro‘ möchte ich der wunderbaren Mischung jedoch jetzt schon verleihen. Chapeau, Caffè Maisto ! Ganz großes Dunkelespresso-Kino!

 

 

 

 

 

„Mr. Pablo“ von Torrcaffè

Bei meinen ersten Versuchen mit dem „Mr. Pablo“ von Torrcaffè dachte ich ja: „Okay, ganz nett, aber er geht schon mit einiger Distanz am Herzen meiner neapolitanischen Espressoseele vorbei. Kein Wunder! Ist ja auch aus Norditalien, genauer gesagt: Bibbione, in der Nähe von Parma.“

Frau Antje hat sich zum Glück getäuscht!

Denn ihre Beziehung zu dem Mitbringsel des gut gelaunten Sombreroträgers wurde besser und besser. Was zum einen daran gelegen haben mag, dass die Bohnen (ca. 80% Arabica/20% Robusta) sich zu ihrem Vorteil entwickelt haben, seit ich die Tüte geöffnet habe. Und sicherlich auch daran, dass ich sie zunehmend besser zu händeln weiß.

Inzwischen bin ich sowas von begeistert von den Bohnen aus der leuchtend gelben Tüte, die übrigens traditionell über Holzfeuer geröstet wurden!

Philipp Wanivenhaus (von Vettore.at), der ihn mir verkauft hat, empfahl mir einen klassischen Bezug mit „etwas mehr im Siebträger“, und meinte, er sei recht dünn im Körper, was er im Abgang und im Nachgeschmack wieder aufhole. Das kann ich so nicht bestätigen. So, wie ich ihn derzeit beziehe, hat er so viel Körper wie ein Bär unmittelbar vor dem Winterschlaf!

Möglicherweise eine Frage der Charge?

Ich bezieh ihn tatsächlich ziemlich tröpfelig und bei 95ºC. Dafür braucht er eine Mühleneinstellung, die deutlich gröber ist als alles, was ich von dunklen Espressobohnen gewohnt bin.

Das 15g Sieb ist so voll, dass der Siebträger samt Puckscreen gerade eben noch eingespannt werden kann (Input: 15,2g).

Wie warmer Akazienhonig vom Löffel läuft er mittelschnell herab und plustert sich dann schokoduftend und körperfüllig in der Tasse.

Das Aromenbukett ist wirklich besonders. Würzig trifft es gut, und ich möchte das Würzigkeitsfeld etwas ausdifferenzieren: Da sind milde, herb-süße, vollmundig-süffige Trinitariokakao-Aromen mit Noten von Pfefferkuchen, von Kastanienwaldboden nach dem Sommerregen, von Kastanienhonig. Eine feine, sehr edel rüberkommende Rauchigkeit. Deutliche Anklänge von dunklem Karamell. Ein Körnchen Meersalz. Toll❣️

Nota bene: Bei etwas niedrigerer Bezugstemperatur (93-94ºC) kommen Noten von Liebstöckel und Holunderrinde, sowie von Wildleder heraus, die ich persönlich nicht unbedingt täglich im Espresso haben muss, auch wenn sie punktuell durchaus spannend sind. Wohingegen auch 96ºC der Mischung gut bekommen, indem sie dazu beitragen die süßen, schokoladigen und karamelligen Röstaromen zu betonen.

Voller Überzeugung verleiht Frau Antje dem „Mr. Pablo“ ihre Tazzina d’Oro! So ein leckerer, dunkler Espresso!

„Amicizia“ vom Bohnendealer

Der Wiener Kaffee- und Espressomaschinenvertrieb „Bohnendealer“ hat seit Neuestem einen herausragend exquisiten, dunklen, echten Neapoletaner im Programm:

Den ‚Amicizia‘ – eine hochwertige Mischung, die sich aus 74% Robusta- und 26% Arabica-Bohnen aus insgesamt 7 Anbaugebieten zusammensetzt: Indien, Uganda, Costa Rica, Kolumbien, El Salvador, Brasilien und Äthiopien.

Eine Italian Roast-Eminenz im allerprunkvollsten Aromen-Ornat!

Bei den tatsächlich in Neapel gerösteten Bohnen handelt es sich um eine sogenannte „Edizione Speciale“, also um eine Sonderedition, die nicht immer erhältlich ist.

„Da von der Bestellung bis zur Anlieferung bei mir und fürs nötige Ausgasen oft einige Wochen vergehen, kann ich nicht immer garantieren, dass sie gerade vorrätig sind“, schreibt Daniel Platzer, der Bohnendealer, dazu.

Er habe, so erzählt er, 7 Jahre gebraucht, um eine gute Lösung mit einer neapoletanischenen Rösterei zu finden. Schließlich sei diese über einen italienischen Kollegen aus der Kaffeebranche zustande gekommen, zu dem sich im Laufe der Jahre eine Freundschaft entwickelt habe. Aufgrund dieser guten zwischenmenschlichen Erfahrungen und als Huldigung an die engen Verbindungen zwischen der österreichischen und der italienischen Kaffeegeschichte, habe er dann den wohlklingenden, bedeutungsschönen Namen gewählt: ‚Amicizia‘ – das italienische Wort für Freundschaft.

Beim Schnuppern an den glänzenden, dunkelbraunen Bohnen und dann beim ersten Schluck erinnert mich der ‚Amicizia‘ mit seiner dunkel-seidigen Geschmeidigkeit zunächst an einen wirklich guten Monsooned Malabar. 

Dann kommen Noten von würzigem Pumpernickel dazu, von flüssiger, frischer Sahne, von süßer Birne, von Buchecker. 

Nein, keine schmeckbare Säure! Eine winzige, herb-aromatische Spur Buchenwalderde scheint durch. Zerlassener brauner Zucker schmiegt sich in viel edlen, samtig-dunklen, geradezu dessertwein-süffigen Arriba-Kakao. Ein kurzes, zartes, bittersüß-zitrusfruchtiges Hereinragen von kandierter Kumquat im Aromen-Mittelfeld. Wunderbar langanhaltender, schokofülliger Aromen-Cluster im Abgang.

In der Körperresonanz zeigt sich eine sahnige Kühle, die zunächst besänftigend und weitend auf den Kehlkopf und die Atemwege wirkt und sich alsdann mit Verzögerung gemäßigt warm und angenehm in Brust und Bauch ausbreitet. Auch das schwingt lange köstlich nach.

Zwischen Woche 4-6 gewinnt die Mischung noch an seidiger Weichheit.

Der ‚Amicizia‘ ist übrigens ausgesprochen anfänger-tauglich in der Zubereitung, da sein Toleranzfenster groß ist, was bedeutet, dass er Zubereitungs-Schwankungen, ohne für Kräuselgesichter zu sorgen, gut wegsteckt: Er schmeckt bei 94-95ºC und verschiedenen Mahlgraden wirklich ausgesprochen lecker.

Natürlich hat er trotzdem einen Sweet Spot, und diesen habe ich bei 94ºC und mittelfeinem Espresso-Mahlgrad gefunden, so dass ich mit 14,2g im 49er-Sieb nach 33 Sekunden einen besonders göttlichen, halbkurzen Ristretto (2 1/2 kleine Schluck) in der Tasse hatte.

Ganz große Klasse!

Frau Antje verleiht hiermit eine zweite, hochverdiente Tazzina d’Oro an den Bohnendealer!

 

‚Caffè del Sole – Nero Bar‘ und ‚Caffè del Sole – Crema‘ von der Rösterei ‚Coffee for Life srl‘

Frau Antje hat wieder einmal ihre Espressogenuss-Fühler nach Bella Napoli ausgestreckt:

Heute möchte ich euch zwei paradiesisch leckere Espressi der Marke ‚Caffè del Sole‘ vorstellen, die in Deutschland erst seit der Pandemie erhältlich sind. Zum Glück! So hat die Krise auch ein wenig ihr Gutes für uns Dunkelespresso-Fans nördlich der Alpen – aber ich greife vor …

Lasst mich zunächst etwas darüber erzählen, wer die Bohnen röstet. Und dann ein bisschen was darüber, warum und auf welchem Wege wir sie jetzt in Deutschland bekommen können.

‚Caffè del Sole‘ ist die Marke einer 2013 gegründeten Rösterei mit dem Namen ‚Coffee for Life srl‘. Diese hat ihren Sitz in Casoria, einer Stadt in Kampanien, die ungefähr so viele Einwohner hat, wie Bayreuth, und Teil des napoletanischen Metropolitanstadt-Flickenteppichs ist. 

Die Rösterei ‚Coffee for Life‘ ist klein. Gerade mal 6 Menschen verdienen in dem Betrieb ihren Lebensunterhalt – als da sind:

Die beiden Inhaber, Sergio Vilone und Daniele Capitelli, beide gelernte Steuerprüfer mit großer Begeisterung für Kaffee, sowie 4 Angestellte.

(Im unteren Bild links: Sergio Vilone, rechts: Daniele Capitelli)

Derzeit werden vier Bar-Mischungen der Marke ‚Caffè del Sole‘ hergestellt:
‚Rosso‘ (in Deutschland ‚Crema‘ genannt), ‚Nero‘, ‚Gold‘ und ‚DEK‘ (entkoffeiniert).

Hier ein kurzer Einblick in den Rösterei-Betrieb:

Durchschnittlich 10 mal pro Arbeitstag wird der Röster befüllt. Pro Rösterfüllung sind das ca. 90kg Kaffeebohnen. 

Abnehmer für die Bohnen sind in normalen Zeiten vor allem lokale Bars.

Ihr könnt euch vorstellen, was der coronabedingte Lockdown in Italien sowohl für die Bar- als auch für die Kaffeerösterei-Betreiber dort bedeutet hat! Alles zu! Wirklich geschlossen! Monatelang …

Und hier kommt nun der 19jährige Berliner Jungunternehmer und Software-Entwickler Nicola Maisto ins Spiel.
Nicolas Großmutter, Maria Palma, betrieb eine Bar in Giugliano in Campania, einer kleinen Stadt, die ebenfalls zur Metropolstadt Neapel gehört, und nicht weit von Casoria entfernt liegt: Die ‚Bar Cante‘. Seit dem Jahr 2000 heißt dieselbe Bar ‚Caffetteria 2000‘ und wird von Nicolas Onkel, Fabio Maisto, und dessen Frau Pina weitergeführt. Fabio Maisto und Sergio Vilone, der Rösterei-Betreiber, sind gute Freunde. Beide mussten durch die Corona-Maßnahmen krasse Umsatzeinbußen verzeichnen.

 

Was mir an Maisto Caffè, neben der zugewandten, warmherzigen Kommunikation, besonders gut gefällt, ist, dass die gelieferten Bohnen jedes Mal wirklich frisch sind. Frische ist ein wesentlicher Anspruch des Familienunternehmens.

https://maisto-caffe.com/

Die Verkostungen:

Für beide verkosteten Mischungen gilt:

Die jeweilige Tüte enthielt satt warm-röstig duftende, makellose, leicht glänzende Bohnen.

Röstgrad: Dark French.

Es waren keinerlei Bruch oder verkohlte Stellen zu finden.

Die Bohnen wurden mit der HG1 gemahlen und alle Espressi habe ich mit der Strietman CT2 zubereitet.

1. Caffè del Sole ‚Crema‘ (Rosso) :

Das erste, was mir zu dieser Mischung aus 52% Robusta- und 48% Arabicabohnen einfällt, ist: „Espresso gewordenes Tiramisù“.

Da ist tatsächlich einen ausgedehnten Moment lang diese betörende Mischung aus Espresso, Eigelb, Mascarpone, Löffelbiskuits, Kakaopulver und Amaretto auf der Zunge – und das, obwohl von den genannten Zutaten ja nur erstere vorhanden ist.

Ein Hauch von Leder kommt mitunter durch, vor allem bei Brühtemperaturen unter 94-95ºC.

Dasselbe gilt für robustatypische Noten von mineralreicher, vulkanischer Weinberg-Erde mit etwas knarziger Holzigkeit anbei. Auch diese treten vor allem bei Bezugstemperaturen um 92-93ºC hervor. Je höher die Brühtemperatur, desto mehr tritt das Erdig-Holzige in den Hintergrund. Bei 95ºC ist es nur noch ein fernes Echo.

Das Aroma von zerlassener Butter zeigte sich bei allen Temperaturen.

Mandel ebenfalls, die ja schon im Amaretto des Tiramisù mitschwingt.

Süße, gelbe Weintrauben.

Dunkler, aromenfülliger, minimal herb-beeriger Edelkakao, der mich an ‚Le 100% Criollo‘ von François Pralus erinnert.

Des weiteren punktet der ‚Crema‘ durch sehr gefälligen, dichtcremigen Schmelz im Mund.

Zuweilen, v.a. bei niedrigerer Brühtemperatur, bekommt dieser Schmelz einen leicht tanninigen Anflug. Bei 95ºC kann dieses minimal Gerbsäurige, Zusammenziehende allerdings nur noch erahnt werden – es ist dann so wundervoll eingebettet in das gesamte buttrige Tiramisù-Bukett, dass es viel eher interessant als störend wirkt.

Der ‚Crema‘ wärmt auf’s Angenehmste Brust- und Bauchraum und entspannt das Herz, ohne jedoch einzulullen. Dafür ist er viel zu  faszinierend in seinen Aromennuancen. 

Eine absolute Meister-Komposition, der ich voller Überzeugung Frau Antjes Tazzina d’Oro verleihe!

 

2. Caffè del Sole ‚Nero Bar‘ :

Diese Mischung aus 70% Robusta und 30% Arabica ist mein erklärter Liebling aus der Caffè del Sole-Reihe!

Ich habe ihn mit 14,1g, deutlich feinem Mahlgrad und 95ºC Brühtemperatur am leckersten gefunden.
Aromenfunkelnd, weit, duftend, kraftvoll, mit sanftem, seidigem, sämigem Mundgefühl.

Er ist in einer geradezu lasziven Weise ganz leicht rauchig. Tiefe, dunkle, ausgesprochen elegante Tabakaromen lassen in mir Fantasiebilder von einem Salon der 1920er Jahre aufsteigen:

Androgyne Nachtgeschöpfe mit Pagenköpfen und Hosenanzügen, oder auch mit Wasserwellenfrisuren, Glockenhüten, Perlenketten bis zum Bauchnabel und fransigen Charleston-Kleidern, die sich katzenartig an Säulen schmiegen oder in Ledersessel gegossen haben, mitsummend, Rauchringe blasend, am White Lady-Cocktail nippend, vielsagende Blicke versendend, engtanzend, während das Grammophon kratzig Bessie Smith spielt, den ‚Empty Bed Blues‘ vielleicht, und Zigaretten auf langen Spitzen glühend im Takt wippen …

Da ist eine betörende Komposition, die mich an herbsüße Paranuss erinnert, an sehr edlen, venezolanischen Criollo-Kakao und ebenfalls, wie beim ‚Crema‘, an zerlassene Butter.

Dazu kommt eine Spur von ganz weichem Eierlikör. Also keinesfalls solcher mit durchdringend stechender Alkoholspitze, sondern seidiger, dunkeldottriger, mild-cremiger Eierlikör, der zu einem Stück Puertofino-Schokolade von Domori gereicht wird (> Die Puertofino MÜSST ihr probieren, wenn ihr dunkle Schokolade mögt!)

Wunderbarerweise blinkt inmitten der rauchig-schokoladigen Nachtschwärze kokett und unverhofft eine winzige Dessertlöffelspitze voller Cherimoya-Aromen auf:

Diese süß-aromatische Melange, die etwas von  reifer Banane, sonnengetränkter Ananas, Hochsommer-Himbeere, Williamsbirne und einem Hauch Zimt hat. Kaum zu erhaschen, wie eine Sternschnuppe, und doch absolut mit-prägend für diesen grandiosen Espresso.

Ja, und er schmeckt tatsächlich auch nach Niederegger Marzipan-Brot, wenn die Bohnen mindestens ca. 3-4 Wochen alt sind.

Wer lieber die erdigeren, holzigeren Robusta-Noten betonen möchte, bevor es zu aphrodisierend wird, sollte auf jeden Fall mit niedrigeren Bezugstemperaturen (92-93ºC) experimentieren!

Auch bei gröberem Mahlgrad zeigt der ‚Nero Bar‘ sich übrigens tadellos und absolut köstlich – er bekommt dann mehr von einer leichteren, süßen, schoko-rauchigen Nachmittags-Klarheit.

Seine fruchtschwärmerische, schillernd-sinnestrunkene, rauchgeschwängerte Mitternachts-Verruchtheit zeigt sich jedoch erst mit zunehmender Dichte durch feineres Mahlen und langsameren Bezug (40-50 Sekunden stehen ihm sowas von hervorragend!).

Der ‚Nero Bar‘ wärmt durch und durch und strotzt dabei vor sinnlicher Eleganz. Er hat mich jedes Mal erneut zurücklehnen, die Augen schließen und genussvolle Seufzer von mir geben lassen.

So ein toller Espresso! Wow!

Frau Antje ist restlos begeistert und verleiht auch dem ‚Nero Bar‘ von Caffè del Sole freudig ihre Tazzina d’Oro!

 

 

 

„Caffè del Professore“ von Moka Termini

Heute verkostet Frau Antje einen besonders strahlenden Fixstern am Firmament der süditalienisch-dunklen Röstungen:

Den berühmten ‚Caffè del Professore‘ von der Rösterei ‚Moka Termini‘ aus Palermo.

Moka Termini wurde 1932 von Nunzio Termini gegründet. 1997 übergab dieser das Unternehmen an seine drei Söhne Pietro, Domenico und Dario, die es, wenn ich mich nicht täusche, noch heute zusammen führen.

Ursprünglich befand sich die kleine Rösterei inmitten der historischen Altstadt von Palermo.
Heute wird auf gut 4000 Quadratmetern in Palermos Industriezone geröstet, verpackt und verladen.

Das Unternehmen „Moka Termini“ produziert insgesamt 7 Espressomischungen: ‚Caffè Monachello‘ , ‚Moka Termini‘, ‚Caffè Tonaca di Monaco‘, ‚Espresso Bar‘, ‚Il Signor Caffè‘, ‚Caffè Moka‘ und den ‚Caffè del Professore‘, der als das Meisterwerk des Firmengründers gilt.

Die hier rezensierte Spitzen-Mischung setzt sich zusammen aus 85% Arabica- und 15% Robusta-Bohnen.

Die Bohnen stammen, so schreibt Rosario Gimmelli (der für den Vertrieb des ‚Caffè del Professore‘ in Kampanien zuständig ist), aus Brasilien, Peru, Äthiopien, der Elfenbeinküste, Kenia und Indien und, „zu einem geringen Teil aus anderen, vorwiegend südamerikanischen und afrikanischen Ländern“.

Besonders bereichert werde der Caffè del Professore
durch eine spezielle, rundliche, kleine Bohnenart namens “
„CARACOLITO“ („Schneckchen“). Diese Schneckchenbohnen, auch Peaberries oder Perlbohnen genannt, wachsen nicht, wie bei Kaffee sonst üblich, paarig in einer Kaffeekirsche heran, sondern einzeln. Es handelt sich um eine Mutation, die dadurch zustande kommt, dass nur einer der beiden Samen in der Kaffeekirsche befruchtet wird, was im Schnitt bei ca. 5% einer Kaffee-Ernte auftritt.

(KaffeeWiki: „Im Handel sind die folgenden Bezeichnungen für die verschiedenen Grössen üblich: very large bean > extra large bean > large bean > bold bean > good bean > medium bean > small bean > peaberry. In Afrika und Indien unterscheidet man fünf Grössen AA > A > B > C < PB (Peaberry). In Mittelamerika heissen die Grössen Superior, Primera, Tercera, Caracol und Caracolito.“ https://www.kaffeewiki.de/wiki/Rohkaffee)

Aufgrund ihrer kugeligen Form sind Peaberries dichter in ihrer Struktur, was die Hitzeleitung beim Rösten begünstigt. Dadurch werden sie gleichmäßiger geröstet als die gewöhnlichen flacheren Bohnen. Das sensorische Profil der Schneckchenbohnen wird als sauber und elegant bei gleichzeitig schwerem Körper, besonders schokoladig, karamellig-süß, zitrusfruchtig, floral und insgesamt intensiv beschrieben.

Womit wir uns der eigentlichen Verkostung schon deutlich annähern.

Verkostung:

Ich habe selten einen dunklen Espresso so fein mahlen müssen, wie den Professore, um ihm das Beste zu entlocken. Sein Sweet Spot ist schmal. Jenseits davon schmeckt er gut, aber nicht sehr besonders. 

Ist er jedoch auf den Punkt eingestellt, bemächtigt sich der Professore virtuos aller Sinne.

Meine Einstellungen:

14,2g, sehr feiner Mahlgrad, 95-96ºC, 2 1/2 Schluck out. Gut 70 Sekunden Bezugszeit für einen Ristretto haben die allerköstlichsten Ergebnisse hervorgebracht! Ja, Siebzig Sekunden!

Alle Espressi für diese Verkostung wurden mit der HG1 gemahlen und mit der Strietman CT2 bezogen.

Die Bohnen und das Mahlgut duften wie dunkelschokoladen-umhüllte Pistazien-Marzipan-Pralinen von Patrick Roger.

Beim Schmecken spreizt der Professore eine grandiose Dunkelaromen-Vielfalt auf, deren üppige Klangbreite und funkelndes Oberton-Feuerwerk ihresgleichen suchen.

Die seidige Sahnigkeit seiner Textur kommt ebenfalls erst mit der Punktlandung im Sweet Spot zu ihrer vollen Geltung.

Tiefdunkles, süßes Sahne-Karamell formt die Basisnote, zusammen mit edlem, warm schmelzendem Criollo-Kakao. 

Die zentrale Herznote erinnert an Erdbeere, ja, tatsächlich, vollreife Erdbeere, die keiner Zuckerbeigabe bedarf, da sie selbst voller aromatischer Sonnensüße ist. Am deutlichsten habe ich das herausgeschmeckt, als zum Schluss noch ein winziges Espresso-Pfützchen in der Tasse übrig war. Es war schon fast eingetrocknet und ich habe mit meinem Finger hineingetupft und ihn dann abgeleckt:

Wow! Erdbeere in Dunkelkaramell! … Oder eher noch: Dunkel karamellisierte Erdbeermarmelade. Der Rest im Marmeladen-Einkochtopf, der fast schon angebrannt ist. Aber eben nur fast, es schmeckt nämlich genau richtig! Wirklich nach Erdbeerkaramell! Und das wird dann umhüllt von alleredelstem Dunkelkakao.

Geröstete Mandel und Pistazie klingen, ebenfalls als warme Herznoten, mit an.

In den Kopfnoten findet sich ein Hauch von Veilchen. Eine klitzekleine Spur von würzigem Waldhonig. Das Ätherisch-Einlullende von Rumrosine – und all das als ganz kurz aufscheinende Sternschnuppe. 

Es ist mir noch nie zuvor in den Sinn gekommen, eine Espresso-Mischung dreimal direkt hintereinander zu bestellen. Beim ‚Professore‘ konnte ich nicht umhin, genau das zu tun. Dieser Espresso flasht mich total! Er ist nicht nur spektakulär lecker und sorgt für ein beeindruckend langes, weichröstig-warmes Echo im Mund, sondern lässt den ganzen Körper langanhaltend in wohliger Zufriedenheit schwelgen. Ich möchte ihn derzeit einfach weiterhin da haben, auch wenn ich zwischendurch gerne andere Bohnen verkoste.

(Achtung, Hamburg-Spoiler:) Gäbe es eine Art Elbphilharmonie* für Espresso-Kompositionen, der Caffè del Professore würde sie fulminant zum Erbeben bringen!  🙂 

*https://de.m.wikipedia.org/wiki/Elbphilharmonie

Bezugs-Adresse in Deutschland:

https://40scudi.de/Caffc-del-Professore-250g-ganze-Bohnen

https://40scudi.de/Caffc-del-Professore-Bohnen-3Kg-Bohnen

Für Bestellungen direkt in Italien könnt ihr euch an Annamaria de Cicco vom ‚Caffè del Professore‘ in Neapel wenden:

annamariadecicco27@gmail.com

https://m.facebook.com/Caffe.del.professore.pzaTriesteeTrento.n.2

https://www.instagram.com/caffedelprofessore.p.t.t.n.2/?igshid=7wee0cd0rhnp

1000 Dank, Annamaria, für all die Informationen, die du mir geschickt hast!

 

 

„Espresso Dark“ von Röstkartell

Einen guten Sonntagmorgen allerseits!

Im Dezember in Frau Antjes Espressoverkostungs-Studio: ‚Espresso Dark‘ (50% indischer Hochland-Robusta/50% südamerikanischer Arabica) von der Rösterei ‚Röstkartell‘, einem 4 köpfigen Familienbetrieb in Bohmte bei Osnabrück/ Niedersachsen. Seitdem lag diese Rezension unveröffentlicht im Datei-Ordner – Asche über mein Haupt! Es ist also höchste Zeit!

Eine tolle Huldigung an die Caffè-Traditionen südlich von Rom.
Frau Antje hat beide Daumen oben!

Dunkel, geschmeidig und dickflüssig fließt der Espresso in weichen Schichten in die Tasse.

Ich muss beim Anblick an den köstlichen, puddingartigen, heißen Kakao in italienischen oder spanischen Bars denken.
Und dann, beim Schmecken, fällt mir die, in Schokoladensommelierkreisen sträflich verkannte, unerwähnte ‚Tavoletta amara‘ ein, die dunkelste Dunkelschokolade von Gay Odin, dem alteingesessenen napoletanischen Chocolatier:

Ein wuchtig-bodenständiger, eng gebündelter Kakao, dessen holzige Würzigkeit sich zunächst gar nicht ausbreitet im Körper, sondern sich im Kopf-Gaumenbereich zentriert wie ein warmes, leicht schroffes Ausrufezeichen:
„Hier! Her! Platz!“ (Hund legt sich. Der Espresso Dark legt sich auch, bereit, seine weiteren Aromen preiszugeben. )

Nach und nach schälen sich Noten von Lebkuchen, Avocado, Tabak und Zeder heraus.
Sehr apart!
Unaufdringlich schiebt sich eine Spur von frisch gebackenem, haselnussduftendem, warm-weichem Florentiner in den Vordergrund.
Und sehr sehr gemächlich sinkt die Wärme dann hinab durch die Brust bis in den Bauch.
Das Tier schlummert selig im Körbchen.

Ein Espresso mit Retardwirkung.

Wirklich sehr beeindruckt bin ich vom laaaaaaangen, alle Schokosehnsüchte befriedigenden, mollig einhüllenden Nachklang.

Große Klasse, Familie Brinkhege!

„Soave“ von Gallitelli

Heute in Frau Antjes Espressoverkostungs-Studio:

Gallitelli ‚Soave‘, bestehend aus  50% Arabica- und 50% Robustabohnen. Sehr sehr lecker, das gleich vorweg! 

Die Rösterei Gallitelli ist beheimatet in der süditalienischen Region Basilikata. Genauer gesagt, in Montescaglioso, einer kleinen Stadt und Gemeinde, die zur Provinz von Matera gehört.

Hier kann ich der Versuchung nicht widerstehen, einen kleinen reiseführerischen Schwenk zu machen (wer gleich zur Verkostung möchte, möge bitte nach unten scrollen. Das Wort ‚Verkostung‘ ist fett gedruckt):

Die Basilikata:

Die Basilikata (auch Lukanien genannt) ist nun mal eine meiner Herzensgegenden. Kaum jemand hier kennt sie.

Selbst eingeschworene Süditalien-Fans reisen vornehmlich in die Küstenregionen und, wenn in Städte, dann am ehesten nach Neapel, Bari oder Palermo.

Küste aber hat die Basilikata kaum, abgesehen von zwei handtuchgroßen Zugängen zum Meer, die sich wenige Kilometer um Metaponto und Maratea herum erstrecken.

Ich habe seit 1990 quasi familiäre Bande in die Basilikata – aber auch, wenn es diese nicht gäbe, wäre ich aus dem hingerissenen Staunen nicht mehr herausgekommen, als ich das erste Mal dort war.

So weit das Auge reicht atemberaubend schöne, weite, abwechslungsreiche Hügel- und Gebirgs-Landschaften und bezaubernde Ortschaften.

Die sehr besondere Provinzhauptstadt Matera mit ihren sogenannten „Sassi“ (= Felsen), womit die höhlenartig in die steilen, zerklüfteten Felshänge gebaute Altstadt gemeint ist,

…  und mit ihren uralten Felsenkirchen, war 2019 Weltkulturhauptstadt.

Dadurch ist sie wohl ein wenig bekannter geworden, zumindest unter kulturell Interessierten, und hat seither sicherlich ein paar mehr Touristen angezogen.

Es lohnt sich wirklich, nicht nur Matera, sondern überhaupt die Region zu erkunden, sowohl zu Fuß, als auch motorisiert.

Womit man jedoch, neben gigantischen Ausblicken und berührenden Entdeckungen, immer rechnen sollte ist, dass die Straßen manchmal abrupt im Nirgendwo enden. Oder gerade dabei sind, Stück für Stück den Hang runterzurutschen. Adagio!!! Achtsames Fahren ist hier angesagter denn je, und jedes Wenden, um passierbare Wege zu suchen, wird sehr wahrscheinlich mit noch spektakuläreren Aussichten belohnt werden.

Wer Metropolenflair und turbulentes, schrilles Szeneleben sucht, wird in der Basilikata garantiert nicht fündig werden.

Wer jedoch einsame, weite, unglaublich schöne Hügellandschaften und schroffe Berge („die Dolomiten der Basilikata“) mit verschlafenen, nestartig weit oben thronenden alten Dörfern und Städten mag, dafür umso mehr.

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Zurück zum Espresso. Bzw. erstmal zur Rösterei.

Die Antwort aus dem Hause Gallitelli, auf meine Bitte um Informationen hin, begann mit der zauberhaften Poesie von Google Translate: „Hey Frau Antje … Wie Gehts?? Gut??“
Fast schon bedauerlicherweise fand die weitere Korrespondenz mit dem Qualitätsmanager, Herrn Salluce, auf Englisch und Italienisch statt. Ich liebe internationalen 1:1-Sprach-Rock’nRoll, vor allem, wenn er so durch und durch arglos und schwungvoll auf’s Parkett gelegt wird!

1984, so erfuhr ich, begann Giuseppe Gallitelli mit dem Handel von Kaffeemaschinen und -mühlen. Seine Söhne, Luigi und Marco, stiegen irgendwann mit in das Geschäft ein.  1999 schließlich wurde, parallel zum Kaffee-Equipment-Sektor, die Rösterei Gallitelli aus der Taufe gehoben und fortan mit Enthusiasmus betrieben.

Es werde, schreibt Herr Salluce, das Ziel anvisiert „Medium“ zu rösten.

Die Robustabohnen, die Gallitelli verwende, stammten aus Indien, dem Kongo und aus Uganda. Die Arabicabohnen, die Gallitelli seinen Mischungen beifüge, seien aus Südamerika, vorwiegend aus Brasilien. 

Ab hier möchte ich Domenico Salluce selbst zu Wort kommen und aus seinem Alltag in der Rösterei plaudern lassen (Übersetzung von mir, nicht von Google Translate):

„Unsere tägliche Arbeit beginnt um 6 Uhr mit dem Aufheizen der Röstmaschine, während im Hauptlager mit dem Verladen der Güter für unsere Abnehmer (Privatunden oder Coffeeshops) begonnen wird.

Trotz der Pandemie sind wir zum Glück ziemlich beschäftigt. 

Gegen 7 Uhr morgens besuchen Marco, Luigi und ich die Produktion, um nachzusehen, ob dort alles seinen reibungslosen Gang geht.

Rohbohnen und geröstete Bohnen werden in Augenschein genommen und darauf überprüft, ob die Farbe so ist, wie wir sie haben wollen. 

Mit Hilfe unserer Arbeiter wird sichergestellt, dass sämtliche Maschinen in gutem Zustand sind. 

Nach unserem Rundgang trinken wir zusammen einen Espresso und diskutieren Pläne für die Zukunft, Möglichkeiten und was sonst so ansteht.

In der Regel veranstalten wir dreimal pro Woche ein kleines Cupping und schmecken uns durch Stichproben aus der laufenden Produktion …

Manchmal organisiere ich einen Grundkurs für einen neuen oder alten Kunden, in dem es um Espresso geht, und darum wie man mit der Milch richtig umgeht (Latte Art inklusive).

Letzten Donnerstag z.B. hatten wir hier 4 Kunden aus einem Café, das in unserer Gegend sehr bekannt ist. Wir hatten viel Spaß dabei, mit verschiedenen Extraktionen zu spielen und mit unter- oder überextrahierten Espressi fertig zu werden …“

Ganz herzlichen Dank, Herr Salluce, für die anschaulichen, persönlichen Einblicke! Mir ist, als wäre ich bei Ihrem morgendlichen Rundgang, beim gemeinsamen Espresso, beim Cupping und beim Barista-Einführungskurs dabei gewesen und hätte all das sehr genossen! Ich werde auf Ihre freundliche Einladung, Ihnen einen Besuch abzustatten und die Rösterei zu besichtigen, gerne zurück kommen!

Meine Bezugsadresse: https://italienische-feinkost-scarati.de/product/gallitelli-soave-espresso-kaffee-bohnen/

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Zur Verkostung:

Vor mir liegen Bohnen, deren Anblick Freude macht (kein Bruch, keine Mängel, keine verbrannten Stellen).

French Roast.
Mit Angabe des Röstdatums: 031120. Und mit Zubereitungsempfehlungen:

Beides ist ungewöhnlich und vorbildlich für eine süditalienische Rösterei!

Mir kommt ein sehr angenehmer, warmer, toastig-röstiger Duft entgegen.

Siebträger-Maschine: Strietman CT2.

Mühle: HG1 (Craig Lyn)

Meine Bezugs-Parameter:
14g – 14,2g, mittelfeiner bis feiner Espressomahlgrad. Die wohlschmeckendsten, rundesten Ergebnisse hatte ich bei 94-95ºC.

2 1/2 Schluck out in gezählten (!) 22-26 Sek.

Der ‚Soave‘ hat ein weites Toleranzfenster, er verzeiht Abweichungen von der perfekten Temperatur und vom optimalen Mahlgrad (der natürlich, wie immer, je nach Luftfeuchtigkeit und Alter der Bohnen variiert), ohne sich zu perfiden Racheakten verleiten zu lassen. Auch bei 92ºC, 93ºC oder 96ºC und etwas langsamerer wie etwas schnellerer Fließgeschwindigkeit schmeckt er immer noch sehr angenehm und bleibt weich.

Mit den bestmöglichen Einstellungen zeigt sich ein geschmeidiger, dicker Fluss, ähnlich wie Ahornsirup, der sich schön zähtröpfelnd sammelt zu Beginn.

Das Mundgefűhl ist samtig weich, warm, schoko-schmelzig.

Seine Koffein-Gewichtsklasse liegt, ebenso wie die Textur, zwischen Halbschwergewicht und Schwergewicht, abhängig von der verwendeten Bohnenmenge und dem Mahlgrad. Er ist eindeutig von der stämmigeren, wuchtigeren Fraktion.

Erster Schmeck-Eindruck: Buttertoast mit geraspelter, dunkler Criolloschokolade, erinnernd an Domori Javablond. Dann weht ein Hauch von Macchiakräutern hinzu, winzige Noten von kandierter Grapefruit (mit Schale!). Eine Spur von sanfter, erdig-holziger, milder Paranuss lehnt sich genüsslich an. Eine winziger, würziger Anflug von Tabak, ganz zart und zurückhaltend. Süße! Eine weiche, runde, gar nicht so schwere Süße! 

Insgesamt ist der ‚Soave‘ für mich ein ungemein befriedigender Espresso, der mir vor allem den Brustraum weitet und wärmt.
Langer, weicher Abgang, wirklich mindestens eine dreiviertel Stunde lang. Das ganze Treppenhaus riecht sowas von köstlich nach dem Bezug, dass ich mehrfach von meinen Nachbarn begeistert darauf angesprochen worden bin.

Wer ein Café hat, und Kundschaft über die Nase anlocken möchte, sollte diese Bohnen für den Ausschank in Erwägung ziehen! Was der Nase versprochen wurde, wird auch dem Gaumen gegenüber ganz und gar gehalten!

Eindeutiges Wow!

P. S. : Die Fotos sind teils von Erminia Viccaro, meiner Lebensgefährtin, teils von mir. Das Foto mit den Rad-Rennfahrern habe ich von der Gallitelli-Facebook-Homepage stibiezt. Ich hoffe, das ist okay  …

 

 

„Espresso No.2 – Hallo wach“ von Kaffee Brewda

Frau Antje testet zur Abwechslung mal wieder eine Röstung aus ihrer Nachbarschaft:

Den ‚Espresso No.2 – Hallo wach‘ (50% Arabica/50% Robusta) von Kaffee Brewda. Geröstet in der Hamburger Speicherstadt. Zufällig gefunden beim Einkaufen in der Rindermarkthalle. 7,50€ für’s halbe Pfund.

Erik Brockholz, der Röster, ist, so verrät mir Kaffee Brewdas Website, zweifacher deutscher Vizeröstmeister und Goldmedaillengewinner der Röstergilde. Also offenbar jemand mit viel Erfahrung und Können.

Noch bevor es mit dem Testen losgeht, scheitere ich gleich mal am Verschluss der 250g-Packung: Durch ein Aufziehen der Lasche soll die Clipleiste freigelegt werden. Stattdessen reißt mir die Lasche ab. Und das sowohl auf der einen, wie auf der anderen Seite. Grmpf.

Ich öffne die Packung notgedrungen mit der Schere und stelle fest, dass der Clipverschluss nur an einer Innenseite der Packung befestigt ist.

Okay, doofe Tüte, kann passieren. Es gibt ja Klammern.

Die recht dunklen, paranussbraunen, matten Bohnen darin duften warm und sehr angenehm röstig.

Der Duft enthält erfreulicherweise nichts Grünes, das mich, die eingeschworende „Ab-Second-Crack-Anhängerin“, abschrecken könnte.

Der Espresso läuft sämig und glatt. Rehbraune Crema mit schöner, satter Konsistenz (kein Wunder bei 50% Robusta). Geschmeidiges Mundgefühl.

Beim Schmecken fällt mir als Erstes ein ganz kurzes, mild-säuerliches Aufblinken auf der Zungenspitze auf. Oh! Das hatte ich nicht erwartet! Dann kommt etwas Herbes, Rauhes, leicht Wildledrig-Stumpfes durch, während das Mild-Säuerliche sich nach einem Sekundenbruchteil verliert.

Ich fühle mich ein klein wenig an die zarte, sich an kräftigere Aromen anlehnen wollende Mehligkeit von grünen Bohnen erinnert. Des weiteren an zuckerreduziertes Mandelmarzipan, an kratzige Mostbirnenschale und an, auf wenige, malzige Aromen konzentrierte, dunkle Schokolade.

In meinem Körper wirkt der ‚Hallo wach‘ eher neutral bis kühlend als warm. Auch das erstaunt mich, nachdem er so warm geduftet hatte.

Nach 6 Bezügen stelle ich fest:
Was mir bei diesem Espresso persönlich fehlt, sind die Obertöne, das Erhebende, Feine, Betörende von nachtschwarzen, temperamentvollen Edelkakaokompositionen und die marmeladig-schwingende Süße von kandierter Frucht – also das, was die großen süditalienischen Röstungen allesamt mitbringen, so unterschiedlich diese ansonsten auch voneinander sein mögen.

‚Hallo wach‘ ist eine Mischung, die eher das Bild eines umgepflügten schleswig-holsteinischen Ackers im nebligen Spätherbst in mir wach ruft. Alles ein bisschen schwer, kühl, gedämpft und klobig an den Schuhen. … Und damit kein falscher Eindruck entsteht: Ich liebe Schleswig-Holstein im November! Nur im Espresso wünsche ich mir mehr Vulkanerde, auf der Orangenbäume wachsen, und weniger neblige Ackerfurche. Was sicherlich von einem norddeutschen Röstmeister etwas viel verlangt ist.

In jedem Fall handelt es sich um hochwertige, kunstvoll geröstete Bohnen. Der ‚Hallo wach‘ sorgt durchaus für eine interessante Erfahrung und ist sicherlich eine Empfehlung für alle, die es auch mal friesisch-herb, karg und schnörkellos-bodenständig mögen.

„Napoletano Dok“ von Kenon

Heute möchte ich euch den ‚Napoletano Dok‘ von der Rösterei Kenon vorstellen.

Die  napoletanische Traditions-Kaffeerösterei wurde im Jahre 1892 als Familienbetrieb ins Leben gerufen.

1962 gründete der Nachfahre Vittorio Wurzburger, der damals eine renommierte Bar in Neapels Via Nazionale besaß, das Unternehmen „Café Centro Brasil“, von dem Caffè Kenon seither produziert wird.

Mittlerweise wird das Unternehmen in dritter Generation erfolgreich  weitergeführt von den Brüdern Walter (Marketing), Giovanni (Verwaltung) und Guglielmo Wurzburger (Produktion).

Ich habe in vielen Bars in Neapel Caffè Kenon getrunken. Allerdings günstigere Mischungen als die hier besprochene, welche, gut zubereitet, wie überall dort, durchaus auch ziemlich lecker sind.  …  Wobei ich mich in Neapel mehr zu Bars hingezogen fühle, in denen ich ein Tässchen Passalacqua (am liebsten den ‚Moana‘), Atene von Caffè Partenope oder ‚Gran Miscela Bar‘ von Moreno bekommen kann. Aber ich schweife ab …

Von allen Bohnenmischungen die Kenon im Programm hat, ist der ‚Napoletano Dok‘ die wohl hochwertigste, edelste und daher teuerste (dicht gefolgt vom ‚Karamell‘, den ich hier sicherlich auch noch ausführlich rezensieren werde. Von manchen Espresso-Gourmets weiß ich, dass sie den ‚Karamell‘ gegenüber dem ‚Napoletano Dok‘ bevorzugen. Wir werden sehen … ).

Gleich zu Beginn sei gesagt: Von dieser Mischung bin ich wirklich sehr sehr begeistert!

Ca. 10% Robusta werden für den ‚Napoletano Dok‘ angegeben, sowie 90% erlesene Arabicabohnen, die, so die offiziellen Angaben, vorwiegend bzw. vollständig von brasilianischen Plantagen stammen. Café Centro Brasil … Nomen est Omen.

Die, auf typisch napoletanische Art, sehr dunkel gerösteten Bohnen duften warm und verlockend nach fortgeschrittenem Karamell und nachtschwarzer, edler Schokolade.

Es sind etliche verschiedene Bohnen-Größen und -Formen zu erkennen. Die Röstfärbung ist durchgehend gleichmäßig. Bruch befindet sich so gut wie gar nicht in der Tüte.

Das Röstdatum liegt, als ich die Packung öffne, keine 3 Monate zurück. Es dürfte, meinen Überschlagungen zufolge, eher bei 3-4 Wochen liegen. Casa Napoli, die einzige Bezugsquelle für Caffè Kenon in Deutschland, bietet sinnvollerweise 3 Röstdatums-Kategorien, mit entsprechender Bepreisung, an: Weniger als 3 Monate alt, kurz vor Ablauf des MHD und die Zeitspanne dazwischen. Wer wirklich frische Bohnen will, zahlt, sofern diese aktuell vorrätig sind, ein bisschen mehr. Das lohnt sich, wie ich finde, und ist fair.

Die Bohnen, die ich teste, sind also wirklich frisch. Was bei italienischen Röstungen, die es in Deutschland zu kaufen gibt, bekanntlich nicht so oft der Fall ist.

Mühle: HG1
Mahlgrad: Fein (bei meiner Mühle 6’2“)
Maschine: Strietman CT2
14,2g in.
3 Schluck out.
94-95ºC.

(Die beiden rattenscharfen Schnitten, die ihr auf dem Foto seht, sind übrigens die teuersten, wertigsten Gegenstände, die ich mir in meinem ganzen, fast 60jährigen Leben bisher geleistet habe – und ich beabsichtige, mit ihnen alt, sehr alt, zu werden.

Bei nächster Gelegenheit werde ich euch meinen neuen Super-Duper-Luxus-Direkthandhebler und meine neue kosmische Edel-High Society-Handmühle in jeweils einem eigenen Gala-Beitrag vorstellen. Versprochen! So stolz wie ich darauf bin, kann ich gar nicht anders … ) 

Zurück zum ‚Napoletano Dok‘. Ich habe verschiedene Mahlgrade ausprobiert und das Ergebnis in der Tasse war jedes Mal lecker.

Bei etwas gröberem Mahlgrad und somit leichterer Extraktion kommt eine betörende, elfenhafte Karamelligkeit in den Vordergrund, während ein feinerer Mahlgrad obertonreichen, schwerer klingenden, warm-aromatischen Dunkelschokoladennoten den roten Teppich ausrollt, auf dem sich sodann satte Espresso-Kõrperfülle räkelt. In jedem Fall ist da eine tanzende Süße, die mal karamellig-ätherisch dahinschwebend und mal schokoselig-wohlgerundet wogend daherkommt.
Ich persönlich gebe der schokoladig-wohlgerundeten Ausprägung den Vorzug. 

Mit 10% Robusta-Anteil ist der ‚Napoletano Dok‘ bei aller fülligen Sämigkeit, die ihm bei feinerem Mahlgrad entlockt werden kann, natürlich kein gewichtestemmender Crema-Protz, sondern eher ein Feingeist im Samt-Cape.

In dieser feinen Samtigkeit finden sich exquisite, schmelzende, nussig-rahmige Dunkelkakao-Aromen mit leichter, vornehm-zurückhaltender Grapefruitschalen-Note. Insgesamt erinnern sie mich an die gerösteten Oro Verde-Kakaobohnen aus Peru von der österreichischen Schokoladen-Manufaktur Zotter, die einfach köstlich sind.
Zu den Dunkelkakao-Aromen gesellen sich zart-erdige, minimal tannenhonigherbe, etwas rauchig-holzige Noten von ungerösteter, frischer Paranuss. Sowie tiefschwingendes Dunkelkaramell, das jedoch im Hintergrund bleibt.

Im Mund verweilt lange noch ein weicher, edelbitterer Dunkelkakao-Nachgeschmack, während mein ganzer Körper sich ausgiebig tiefer, warmer, sinnesgenährter Zufriedenheit erfreut .

Alles in allem siebter Espresso-Himmel, wirklich!