“Bar Fragasso” in Berlin/Prenzlauer Berg

Für eine Liebhaberin von dunklem, sűditalienischem Espresso ist sie ein Highlight in Berlin: Die kleine, schlichte, angenehm unstylische “Bar Fragasso” in der Greifswalder Straße 210/ Prenzlauer Berg.

Heute im Ausschank: “Barocco” von Quarta. Jippieh! Ein Sechser im Espresso-Lotto!

Der Ristretto hätte für mich etwas kűrzer und sämiger sein können, auch beim zweiten Mal – und dennoch ist er geschmacklich ein Hochgenuss! Florian, der freundliche, sehr zugewandte Barista aus Wien verspricht mir, sich beim nächsten Mal wirklich zu trauen, ihn mir mit noch weniger Wasser zuzubereiten. Kommt wahrscheinlich nicht so häufig vor, dass jemand das will …

Später tauschen wir uns sehr angeregt und beiderseits voller Leidenschaft űber Espresso aus – und die Welt, die drum herum kreist. 

Im Verkaufsregal steht der ganze Reigen von Passalacqua- und Quarta-Blends. Sowie Tre Forze. Crastan aus Ligurien. Bontadì vom Gardasee. New York.

Alle Bohnen, die es von den Röstereien originalverpackt nur ein- oder dreikiloweise gibt, sind auch – von Fragasso abgepackt – in 250g-Packungen zu bekommen.

Des weiteren gibt es eine űberschaubare Auswahl an Siebträgermaschinen, Herdkännchen, Műhlen und Kaffeemaschinen-Zubehör.

Falls man was essen möchte, werden hier diverse Toasts und Panini, Bircher Műesli und Tiramisù angeboten. Bestimmt lecker. Das Apfel-Törtchen, das ich zum Abschluss noch verzehrt habe, war jedenfalls köstlich.

Alles in allem eine Oase! Wo auch immer ihr in Berlin seid – zieht auf jeden Fall einen Ausflug ins “Fragasso” in Betracht, wenn ihr tollen, sűditalienischen Espresso trinken wollt!

“Avio” von Quarta

(dieser Beitrag wurde von mir bereits am 28. April 2019 in der Fb-Gruppe “Espressospezialisten und Kaffeeliebhaber  veröffentlicht)

Hier ist wieder Frau Antje aus ihrem Espressoverkostungsstudio .
Heute habe ich mir nochmal den Avio von der Torrefazione Quarta aus Lecce in Apulien vorgeknöpft. Er wurde hier ja hoch gelobt und mit “sűß” beschrieben. Er sei, so erinnere ich, gelesen zu haben, der Süßeste überhaupt.
Nun fand ich ihn bisher durchaus lecker – aber süß? Hm …
Es geht also bei meiner Versuchsreihe (wie immer mit meiner La Pavoni professional, die ich mit Temperaturstreifen aus den USA versehen habe. Ansonsten ist meine Diva ungepimpt. Habe nur den Doppelauslauf vom Siebträger abgeschraubt. Pressostat stoppt bei 1,1 bar) also darum, dem Avio die zugeschriebene Sűße zu entlocken …
Okay – erster Versuch des Tages:

Mahlgrad Comandante: 14. BG-Temperatur 95ºC.

12,2g Bohnen. 22 sek. Also noch Ristretto. So mag ich es nun mal.

Den fertigen Espresso habe ich nicht gewogen (sorry, aber wenn mein Espresso fertig ist, denke ich nur noch daran, ihn ggf. schnell zu fotografieren – aber allerspätestens dann will ich ihn genießen!)

Geschmack: Hat die Feinheit und Klarheit aller wirklich guten 100% Arabica-Mischungen, die ich getrunken habe. Erinnert mich ein bisschen an hell getoastetes weißes Toastbrot. Minibisschen dunkles Karamell … aber sűß?

2. Versuch des Tages. Mahlgrad 15, ansonsten alles gleich. Optimaler Durchfluss.

Geschmack: Das Dunkelkaramellige tritt mehr in den Vordergrund und damit die Sűße. Ich muss gestehen: Ich hatte eine andere Art von Sűße erwartet. Ich hatte an Honigsűße, Marzipansűße, Vollreife Mangosűße gedacht. Auch an Nougat und helles Karamell. Aber diese Sűße ist anders. Dunkles Karamell, eventuell eine Prise Lakritz anbei. Auf der Zunge nicht nur vorne, sondern auch mittig und seitlich und hinten. Sowas wie bitter-sűß-umami. Toll❣️✌️

Und der Nachhall im Mund: Laaaaang. Dunkel. Voll. Das Dunke2. Versuch des Tages. Mahlgrad 15, ansonsten alles gleich. Optimaler Durchfluss.

3. Versuch, diesmal mit 14g bei ansonsten gleichen Parametern.

Geschmack: Bitterschokoladenbombe mit Butterwaffel und ein ganz bisschen Karamell. Lecker! Aber auch recht wuchtig! (Ich wollte nebenbei mal wieder einen Versuch mit dem Doppelauslauf wagen und hab zwei Tassen drunter gestellt. Es floss aber – trotz Distributor, der wirklich eine ebenmäßige, gerade Puck-Oberfläche bewirkt – mal wieder nur aus einem …. )

Erneuter Versuch. 14g, etwas gröberer Mahlgrad (16 statt 15), PI 12 Sekunden, 95ºC, Bezug bei 21 Sekunden rausgezogen inkl Nachtröpfeln.

Dunkelkaramellig-lakritzig ist der Basisgeschmack. Ein ganz kleines bisschen salzig (mini!!!). Etwas buttrig. Schokolade unter ferner liefen. Ein Hauch geröstetes Toastbrot. Schon erstaunlich, wie eine Veränderung des Mahlgrads die Aromen umschichtet.

Fazit: Bei allen Versuchen kam ein guter, sehr würziger Espresso raus.

Mir persönlich liegt Lakritzgeschmack in der Tasse nicht so. Und mir fehlt eine Fruchtnote, die den Geschmack für mich abrunden würde.

Ich ziehe von Quarta den Barocco eindeutig vor – und nicht nur das: Der Barocco gehört zu meinen Top-Favoriten!

Der Avio nicht. Klare Empfehlung für Leute, die es wűrzig-lakritzig mögen.

“Barocco” von Quarta

(Dieser Beitrag wurde bereits am 5. Mai 2019 in der Fb-Gruppe “Espressospezialisten und Kaffeeliebhaber” von mir veröffentlicht)

Guten Morgen aus Frau Antjes Espressoverkostungs-Studio❣️
Heute im Test: Barocco von Quarta aus dem schönen Lecce in Apulien. 100% Arabica. Soll ähnlich sein wie der Avio, aber milder. Mal an den Bohnen schnuppern zuerst: Wow! Schon der Geruch hat etwas Zart-Schokoladiges. In die Tűte (250g von Fragrasso abgefűllt) mag ich gerne nochmal reinriechen! Aussehen der Bohnen: Vorwiegend eher klein, sehr dunkel, ölig glänzend, kaum Bruch – für mich vielversprechend.
Mahlt sich gut. Wie hier in der Gruppe empfohlen (Franz Vögerl? Björn Trüper?) habe ich denselben Mahlgrad gewählt, wie beim Avio – also etwas feiner).
Dann mein selbstausgedachter Trick, den ich ab heute in meine Versuchsreihen einfließen lasse: Da ich gefiltertes Wasser verwende, fűge ich dem Pulver im Siebträger als Geschmacksträger eine Messerspitze Kalk zu (in diesem Falle Sango Meereskorallenpulver, das ich noch da hatte. Könnten auch gemörserte Eierschalen sein …). Mal kucken, ob das langfristig noch mehr Aromen aus dem jeweiligen Espresso kitzelt …
So. 12,2g Bohnen. MEINE Home-Comandante Mahlgrad 15. BG-Temperatur 96ºC. 20 Sekunden Bezugszeit (ihr wisst schon – ich trink Ristretto). Fließt gut. Sieht gut aus. Schmeckt …. mjammm. LECKER ! Klar wie alle guten 100% Arabicas. Zarte Säure ganz im Hintergrund. Erinnert mich irgendwie an Holunderblűten. Und dann VIEL (!) 75%ige Zartbitterschokolade. Leicht sűß. Lang anhaltend. Hat deutlich weniger Wuchtigkeit und Wűrzigkeit als der Avio. Ich finde ihn lieblich und dennoch vollmundig mit tollem Nachklang. Mehr meins im Vergleich, wenn ich schon Arabica trinke.
(Werde den Avio allerdings der Fairness halber auch nochmal mit der Prise Kalk zubereiten, wer weiß, vielleicht gibt es da noch Entfaltung weiterer Aromen und dadurch Entwuchtung).
So weit erstmal für den Moment.
Habt einen schönen Sonntag

Update:
Gleiche Bedingungen wie oben, jedoch ohne das Sango-Pulver:
Schmeckt weiterhin HAMMER-LECKER❣️

Echt jetzt.

Der wird zu meiner Nummer 2 gekűrt. Und zwar dicht (!!!) hinter dem Barbera Mago.

Er hat auf jeden Fall den Harem knapp űberholt. Weil schokoladiger. Und den Harem (Passalacqua) finde ich schon saugut.

Ein Top-Espresso!