“Rosso e Nero” von Blasercafé

Ein gutgelauntes Hallo aus Frau Antjes Espressoverkostungs-Studio!

Heute im Test: “Rosso e Nero” von Blasercafé. 80% Arabicabohnen (Indonesien, Brasilien, Kolumbien, Indien) und 20% gewaschener Robusta (Indien – washed Parchment und washed Java).

Nach dem “Marrone” der zweite Dunkelgeröstete im Sortiment der Berner Rösterei, den ich verkoste. Und der erste Schweizer Espresso, der CSC-zertifiziert wurde. Dieses Zertifikat wird dem Rosso e Nero seit Jahren immer wieder erneut ausgestellt.

>Die italienische Organisation CSC (Caffè Speciali Certificati) wurde 1996 in Livorno gegründet. Sie verpflichtet ihre Mitglieder zu sehr hohen Qualitätskriterien, die einer strengen Kontrolle unterliegen. Diese Kriterien schließen Ernte und Aufbereitung des Rohkaffees, Transport, Lagerung und Endverarbeitung ein. Bei einem Kaffee, der CSC-zertifiziert wurde, handelt es sich mit Sicherheit um einen Spitzenkaffee. Im Jahr 2007 wurde die Firma Blasercafé als erstes Schweizer Unternehmen in die Organisation aufgenommen.

Weitere Mitgliedsunternehmen von CSC sind :

•Barbera 1870 – Messina

•Caffè Agust – Brescia

•Arcaffè – Livorno

•Mondicaffè – Rom

•DiniCaffè – Florenz

•Goppion Caffè – Preganziol (Provinz von Treviso)

•Le Piantagioni del Caffè – Livorno

 •Musetti Caffè – Pontenure (Provinz von Piacenza).

(Es sollen, laut CSC-Homepage 11 sein, aber ich habe nur diese 9, Blasercafé eingeschlossen, gefunden.)

Meine entsprechend hohen Erwartungen an den “Rosso e Nero” möchte ich nun bewusst zurückstellen und ihn so unvoreingenommen wie möglich mit all meinen Sinnen erleben.

Die Bohnen, die ich erhalten habe, sind leider nicht so frisch, wie erhofft: Röstdatum 15.3.19, also etwas űber 2 Monate alt – das ist sehr hart an der Grenze dessen, was ich für eine Verkostung für tauglich halte, denn die Aromen dűrften bereits etwas an Fűlle verloren haben. Nun gut. Sollte ich diese Espressomischung irgendwann einmal frischer bekommen, werde ich ein Update ertesten  🙂

Aussehen der Bohnen: Samtig esskastanienbraun, verschiedene Größen, kein erkennbarer Bruch.

Duft: Intensiv und warm, herzöffnend, unmittelbar den gesamten Rumpf ausfűllend, vom Brustraum bis hinab in die Beckenschale. Dunkelbeerig, samtig, voll, feurig, schokoladig. Schmeichelnde, geschmeidige, einladende Röstaromen. Wow! Wie der wohl geduftet hat, als er zwei Wochen alt war?!

12,4g. Feiner Mahlgrad (15 Klicks bei meiner Comandante zuhause), das BG-Thermometer zeigt zu Beginn der Präinfusion 76ºC (was wohl einer Brűhtemperatur von 82ºC nahekommt, jedenfalls hat der Rosso e Nero sich bei diesem Anzeigewert toll entfalten können). Präinfusion 12 Sekunden. Bezugszeit ab Hebeldruck: Gezählte 20 Sekunden.

Die ersten Tropfen kommen unter recht kräftigem Druck, danach fließt es schön gleichmäßig und sämig.

Leuchtend karamellbraune Crema.
Es duftet warm dunkelbeerig-schokoladig.

Der erste Schluck bringt sofort das Dunkelbeerige im Bitterschokoladenmantel auf die Zunge. Ich wiege mich zwischen wilder Brombeere und Waldheidelbeere, finde mich eher beim halbschattigen, hochsommerlichen Heidekrautgewächs Heidelbeere ein als beim Rosengewächs Brombeere mit seiner langen Erntezeit. Das Dunkelbeerige, das ich schmecke, hat mehr die fruchtig-herbe, saftig-waldkrautige Frische der Heidelbeere als die warme, erdige, likörige, fast schon am Rand des Modrigen balancierenden Schwere der Brombeere.
Also Waldheidelbeere. Mit ungesűßter, cremiger, dicker Sahne, wie sie sich direkt auf frischer Milch absetzt. Ein Hauch geschälte, geröstete Mandel. Ein Traum! Alle drei Schluck lang.

Im Abgang kommt eine Spur vollreifer, eher sűßer Apfel hinzu. Ein Quäntchen warmes, helles Karamell, das kurz in den Vordergrund tritt, um die Bűhne dann wieder der dunklen Schokolade mit Heidelbeer-Sahne zu űberlassen.

Ich habe den “Rosso e Nero” mittlerweile 6 mal getrunken. Es ist im ersten Moment kein Kaffee, der meinem Sehnsuchtsschema entspricht, so wie vor kurzem der Marrone.
Und dennoch merke ich zu meinem Erstaunen: Je öfter ich den Rosso e Nero trinke, desto mehr verspűre ich ein kleines Verlangen nach genau diesem Espresso. Er erinnert mich an Wanderungen bei Sommerhitze im Schatten von piemontesischen Maronenwäldern. Es ist hűgelig. Die gleißende Helligkeit des Tages wird gemildert durch den Wald. Bis auf das Knacken unter meinen Füßen, und hier und da Insektengesumm, ist es still. Es duftet nach zerfallenden, warm dahinbröselnden Baumstűmpfen. Nach rötlicher Erde. Nach langsam zerkochenden Frűchten. Ich halte inne. Bűcke mich. Frisch gepflűckte, saftig-warme Heidelbeeren finden sich in meinem Mund ein. Ein Vogel ruft. Da hinten noch einer. Und meine Seele ist einfach nur weit  …