Das System, nach dem Frau Antje Espresso verkostet

Es gibt keins. Sie kauft Espresso nach Lust und Laune. Dunkle Röstungen sind das, was Frau Antje am besten schmeckt. Also kauft sie vornehmlich dunkle Röstungen. Wenn ein Espresso sie neugierig macht, erwirbt sie davon eine möglichst kleine Menge Bohnen, so frisch es geht. Espressobohnen, deren Geschmack, Aroma und Wirkung im Körper Frau Antje nicht eindeutig glücklich stimmen, werden spätestens nach vier Testbezügen weiterverschenkt.

Frau Antje wiegt die Bohnen für jeden Bezug ab. Aber niemals den fertigen Espresso. Das frische Mahlgut rührt sie mit einem selbstgebastelten WDT (Weiss Distribution Tool) um, ….

…. dann benutzt sie einen Leveler und dann tampt sie mit 10kg Druck. Dafür nimmt sie einen zwischen 8 und 20kg druckverstellbaren Tamper. Sie kuckt beim Bezug nicht auf die Uhr, sondern in die Tasse, während sie Pi mal Daumen in ihrem Kopf Sekunden zählt. Da sie Ristretto mag, also konzentrierteren Espresso mit kürzerer Bezugszeit, zieht sie die Tasse weg, wenn diese maximal zu zwei Dritteln voll ist. Je nach Aussehen. Dann trägt sie die Tasse zu ihrem Espresso-Tischchen, knipst drei Fotos (falls eins verwackelt), rührt um (ohne Zucker) – und genießt.

Selbstverständlich sind Frau Antjes Verkostungsbeschreibungen subjektiv, geprägt von dem, was sie in ihrem Leben kennengelernt und in sich aufgenommen hat – und sowohl von ihrer eigenen Tagesform als auch von der Laune ihrer Diva bzw. ihrer Aram abhängig.

Da Frau Antje, neben exzellenten dunklen Espressoröstungen, genauso sehr fűr exzellente dunkle Schokoladen schwärmt, ist das wahre Espressoglűck für sie am ehesten dann gegeben, wenn sie aus einem Espresso auch mannigfaltige edle Kakaoaromen herausschmecken kann. Verspricht eine Espressobeschreibung dergleichen und Frau Antje bekommt davon Wind, findet die beschriebene Mischung sehr sicher einen Platz auf ihrer Liste noch zu verkostender Kaffees.

Frau Antje weiß, dass das alles purer Luxus ist.